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Chalisti Volume 16
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CCCCC H H AA L I SSSSS TTTTTT I
C H H A A L I S TT I
C HHHHHH AAAA L I SSSS TT I
C H H A A L I S TT I
CCCCC H H A A LLLLLL I SSSSS TT I
Ausgabe 16 - (4.11. 1991)
Editorial.........................RC.........PRC1
Realname im Netz..................FA.........PFA7
Verantwortung in der Informatik...FA.........PFAE
Hardware-Ecke.....................FA.........PFA6
Post: Ein Unternehmen in Aktion...NE.........PNE8
Maenner auf dem hohen Ross........FA.........PFA9
Buergernetze......................MK.........PMKA
Blue Boxing.......................MK.........PMKB
Bericht von der EduCom............WJ.........PWJD
Neue Erkenntnisse bei Supra-Leit..WJ.........PWJC
Neues aus Japan...................WJ.........PWC3
Neues aus Usa.....................WJ.........PWC4
Kurzmeldungen.....................RC.........PRC5
Laserdrucker.......................1-1
Informatik in der Krise............2-2
Aktion Dr. Neuhaus.................3-3
Kernfusion gelungen................4-4
Chaos Communication Congress 1991..5-5
Impressum.........................RC.........PRC2
Erlaeuterungen: DS - Datenschleuder
RC - Redaktion Chalisti
BX - Redaktion BTX (Netzwerker)
WJ - DFN-Projekt Wissenschaftsjournalisten
NE - Uebernommen aus einem Netzwerk
ST - Kurzgeschichte
MK - MIK-Magazin
FA - Freier Artikel (Autorenangabe am Anfang oder
Ende des Artikels)
Die Artikelkennung (PDS1,PBX2,etc) dient zum Suchen der Artikel mit
Editoren und Textverarbeitungssystemen. Mit der Marke 'NEXT' kann gleich
zum naechsten Artikel gesprungen werden.
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NEXT PRC1
The neverending Story ?
Diese Frage bezieht sich auf die Chalisti selbst. Einige haben sie schon
fuer tot erklaert, was nicht weiter verwunderlich ist. Die Chalisti hat nun
2 Monate Verspaetung, und dies hat seine Gruende. Aenderungen in der
Redaktion, fehlende Mitarbeiter, aber auch zeitliche Engpaesse bei mir
selber haben dazu gefuehrt, dass die Chalisti nicht mehr in alter Form
publiziert werden kann.
Ab sofort kann es keine Garantie mehr dafuer geben, dass wir wirklich in
6-8 Wochen Abstaenden erscheinen. Eher sind einzelne Kurzbeitraege zu
aktuellen Geschehnissen ohne weiteres moeglich und - falls genug Material
zusammenkommt - auch wieder eine komplette Chalisti. Desweiteren wird
natuerlich zu "besonderen Anlaessen", wie z.B. Chaos Communication Congress
oder CeBit, auf jeden Fall eine Chalisti herausgebracht.
Kommen wir nun aber zu dem erfreulicheren Teil. Diesmal hat die Chalisti
ein Umfang von 160 KB, was einen neuen Rekord darstellt. Gerade in
den letzten Tagen sind mehrere interessante Berichte hier eingetroffen,
die natuerlich nicht ignoriert werden konnten. Vom Umgang mit den "Usern"
(wer auch immer noch an diese glaubt) zeugen zwei Berichte. Einmal berichtet
Uta von ihrem Vorstoss in die maerchenhafte Welt der Computer-(Maenner)-
Geschaefte. Desweiteren berichtet Andreas von den neuesten Erlebnissen in
der Folge "Die Gilb privatisiert sich".
Herausheben wollen wir auch zwei Beitraege die zeigen, dass einige Leute
Kommunikationsnetze eben nicht nur "nutzen", sondern sich auch ueber einige
Dinge Gedanken machen. Auf der einen Seite erzaehlt Wizard etwas ueber
seine (erklaertermassen subjektive) Einstellung zu vielen Realname-
Diskussionen, die immer wieder in den Netzen stattfinden. Seine Meinung
trifft dabei die Wahrheit auch sehr genau.
Genauso interessant sind die Gedanken von Frank Moeller ueber die
Verantwortung der Informatik. Dabei spricht Frank einige Dinge an worueber
auch mal jene nachdenken sollten, die sich als "Informatiker" derzeit intensiv
Gedanken ueber eine Art "Hippokratischen Eid fuer Informatiker" machen.
Vergessen wollen wir auch nicht das 'Magazin im Magazin': Der Hardware
Corner. Hier macht jemand unter eigener redaktioneller Verantwortung
ein Magazin mit Informationen in der Chalisti. Waere nett, wenn ihr ihm
und uns mitteilt, wie Euch sowas gefaellt.
Zu den "Neuigkeiten" aus USA und Japan will ich noch sagen, dass diese
teilweise nicht mehr soo neu sind, da sie ja auch eine Zeit auf Halde
gelegen haben. Trotzdem gehe ich davon aus, dass darunter viele Nachrichten
sind, die im "normalen" Agenturmuell untergegangen sind und trotzdem fuer
viele interessant sein sollten.
Abschliessend will ich auch noch erwaehnen, dass NATUERLICH dieses Jahr
der Chaos Communication Congress in Hamburg-Eidelstedt stattfinden wird.
Wer mal wieder ein Treffen von Hackern (und solchen, die es werden wollen),
Freaks (und solche, die es waren), Wissenschaftlern (und solche, die es glauben
zu sein) und den ganzen unwichtigen Rest sehen will, sollte sich zwischen dem
27.12 und 29.12 nix vornehmen. Genaue Ankuendigungen werden naechste
Woche ueber alle Netze verbreitet werden. Ebenso gehen Informationen auf
Paperware in Form der Datenschleuder, aber auch Pressemitteilungen, raus.
Auf denne ...
...Terra
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NEXT PFA7
Realnames - ein Garant fuer Niveau?
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Unlaengst war im MagicNET eine Nachricht zu lesen, in der ein User die These
aufstellte, dass alle User mit einem Phantasienamen (Pseudo) 'Kinder' waeren
und nicht faehig, die DFUe als ernsthaftes Medium zu nutzen. Auf diese Nach-
richt hagelte es Dementis - natuerlich von sog. 'Pseudos'. Da in den Wider-
legungen wiederum die Realname-User angeriffen wurden, entbrannte ein zeit-
weise heftiger Streit. In diesem tauchte dann immer wieder die Frage auf, ob
durch die Benutzung von Realnames auch das Niveau einen Netzes bzw. der darin
geschriebenen Nachrichten steigt.
Die anfangs sachliche Diskussion versackte dann in sarkastischen Flames und
Beleidigungen - beide Seiten verhielten sich mehr oder weniger so, wie sie
es der jeweiligen Gegenseite vorwarfen.
Dennoch halte ich das Thema 'Sind Netze mit Realname-Pflicht anspruchsvoller'
fuer recht interessant und moechte versuchen, dieser Frage einmal nachzugehen.
Ein oft gebrauchtes Argument fuer Realnames war: "Wenn man unter seinem
eigenen Namen schreibt, dann kommt man nicht so leicht in Versuchung,
Beleidigungen und unqualifizierte Nachrichten zu schreiben, weil man ja durch
den Realname keine Anonymitaet besitzt". Das Gegenargument der Pseudos lautete
dann, dass es ueberhaupt nicht so sei, weil der Pseudoname zwar eine gewisse
Anonymitaet bietet, aber der User eben durch sein immer gleiches Pseudo
identifiziert wird. Es sei schliesslich egal, ob man sich unter 'Hubert
Mueller' oder 'Smurf' den Ruf in dem Netz ruiniert. Ausserdem, so die Pro-
Pseudo-User, koenne man ja anhand bestehender Realname-Netze wie z.B. dem
FIDO sehen, dass das Niveau durch Realnames nicht unbedingt gesteigert wird.
Als Pro-Argument fuer Pseudos wurde immer wieder auf 'das Schuetzen muessen'
hingewiesen. Gemeint wurde damit die illegale Benutzung der Modems, den
wahrscheinlichen Besitz von Raubkopien u.ae. - argumentiert wurde meistens,
dass dieses 'damals, in der Anfangszeit der DFUe' der Fall war, aber einige
User machten darauf aufmerksam, dass auch heute die meisten Modems illegal
betrieben werden.
Ebenfalls als Pro-Argument konnte man lesen, dass ein Pseudonym dem
'Selbstschutz' dient. So wurde ein User bei einer Diskussion mit Rechts-
radikalen ueber das Netz massiv bedroht, so dass er gluecklich war, keinen
Realnamen benutzt zu haben; Ist es doch ein leichtes, den Standort der
Box herauszufinden und dann ggf. den Realname im Telefonbuch nachzuschlagen.
Allerdings duerften solche Faelle die Ausnahme darstellen, so dass man sie
fast ausser acht lassen duerfte.
Neben diesen, eigentlich nebensaechlichen, Argumenten wurde dann darauf
hingewiesen, dass es durchaus auch presserechtliche Probleme geben kann.
Wie das wohl mit den Urheberrechten an Texten sei, unter denen 'Smurf'
als Absender steht, wurde gefragt. Von der 'anderen Seite' wurde dann
entgegnet, dass ein 'Konsalik' auch nur ein Pseudonym ist, so dass man
diesen Aspekt beiseite lassen kann. Tatsaechlich ist es so, dass lediglich
der Absender erkennbar sein muss - und das ist bei Nennung der Box und
des Usernamens gegeben - ist doch der User mit seiner Anschrift dem
SysOp der Absender-Box bekannt. Sollte naemlich ein User mit seinen Texten
gegen existierende Gesetze verstossen (z.B. Volksverhetzung) ist keineswegs
der SysOp verantwortlich, sondern der Absender selbst - da Mailboxen nicht
dem Presserecht unterliegen, MUSS der SysOp in einem solchen Fall die
Identitaet des Absenders preisgeben (siehe dazu Artikel in der Chalisti 11).
Aus dieser Sicht gesehen ist es also egal, ob man einen Realnamen oder ein
Pseudonym benutzt. Haftbar ist man sowohl in dem einen als auch in dem
anderem Fall.
Ein Grund, der fuer die Benutzung von Realnamen spricht, ist eher psycho-
logischer Natur: So macht es einfach einen serioeseren Eindruck mit einem
'Hubert Mueller' ueber die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zu dis-
kutieren als gleiches mit einem 'Smurf' zu tun. Auch steht die Aussage, man habe
schiesslich einen Namen bekommen, mit dem man auch im 'normalen' Leben unter-
wegs ist - und diesen koenne man dann auch in der DFUe benutzen. Sicherlich
wird sich keiner bei seinem neuen Arbeitgeber mit "Guten Tag, mein Name ist
Smurf" vorstellen.
Und genau das ist vermutlich der springende Punkt: Es kommt darauf an, zu
WAS man DFUe betreibt. Wenn sich jemand nach dem taeglichen Stress an den
Computer setzt um einfach 'mal abzuspannen', dann ist es sein Hobby - und
dabei geht es sicher darum, 'abzuschalten' - und hierfuer ist ein Pseudonym
ideal geeignet. Anders verhaelt es sich bei Studenten, die sich in diversen
Netzen tummeln und mit diesen Netzen (mehr oder weniger :-)) arbeiten.
In diesen Netzen werden gehaltvolle Informationen ausgetauscht, die man
zum 'Arbeiten' benoetigt, die aber fuer die Mehrheit der DFUe'ler nicht von
Interesse sind. Der Hobby-Nutzer dagegen arbeitet mit den Informationen
nicht, sondern moechte einfach nur talken und sich ueber dies und das
informieren - ohne, dass er in eine Materie tiefer eintauchen muss.
So kommt es wohl zustande, dass in Hobby-Netzen viele Pseudo-User unterwegs
sind, in anderen Systemen, die nicht ausschliesslich fuer Freizeit-Zwecke
gedacht sind, eben Realnamen die Regel sind.
Das aber nun mit 'niveaulos' oder 'niveauvoll' zu umschreiben halte ich fuer
falsch - vielmehr handelt es sich um zwei verschiedene Arten der DFUe, von
denen jede ein anderes Ziel verfolgt, die sich nicht miteinander ver-
gleichen lassen.
Allerdings gibt es auch Hobby-Netze, in denen ein Realname Pflicht ist,
so dass man vielleicht auch sagen kann, dass die Entscheidung, ob Realname
oder Pseudonym einfach der Mentalitaet des/der Netz-Gruender/s unterworfen
war.
Fazit:
So oder so, das Niveau eines Netzes hat nichts mit Realnamen oder Pseudos
zu tun. Intelektuelle findet man in jedem Netz sicher ebenso wie Proleten.
(Wizard, 25.05.91, 01:20)
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NEXT PFAE
Eine neue Verantwortung in der Informatik ?
Von der Reimplementation der Technokratie durch Moral
Zunaechst koennte man meinen, dass dann eben neben
den Werten der Freiheit und der Gleichheit auch
noch reine Luft und reines Wasser, Baeume und
Tiere wertekatalogfaehig werden; und da es ohne-
hin nur um Listen geht, koennte man beliebig er-
weitern: Pandas, Tamilen,
Frauen... . Das waere je-
doch, langfristig und Muss da nicht zwangslaeufig
aufs Grundsaetzliche ge- das Pendel zugunsten jener
sehen, eine zu einfache ausschlagen, die erst so
Auskunft. richtig aufbluehen, wenn
sich die Situation verkom-
Niklas Luhmann, pliziert?
Oekologische Kommu-
nikation John Brunner,
Der Schockwellenreiter
Die Computertechnologie schreitet voran. Niemandem
wird es gelingen, sich der Informatik-Zivilisation zu ent-
ziehen. Bestenfalls koennte jemand den Kontinent verlassen,
um sich in die letzten verbliebenen Urwaelder zurueckzuziehen.
Da solches Tun nur fuer die wenigsten vorstellbar ist, kommt
es darauf an, den Urhebern informationstechnischer Loesungen
ein Bewusstsein davon zu vermitteln, was ihr Konstruieren
ueber die blosse Technik hinaus bewirkt. Innerhalb der Wissen-
schaft von der Informatik gibt es gegenwaertig eine Reihe von
klugen Personen, die sich mit den Konsequenzen ihres Fachs
beschaeftigen. Ob die Auseinandersetzung breitere Kreise
innerhalb der Disziplin erreichen wird sei dahingestellt.
Jedenfalls besteht die Gefahr, dass vermeintlich neue Denk-
weisen nur das wiederherstellen, was sie selbst als Uebel
erkannt haben: die reine Technokratie.
Der grosse Teil dieses bisher also beschraenkten Perso-
nenkreises gehoert einer Generation an, die entscheidende
Eindruecke ihres Lebens vor mehr als zwanzig Jahren aufgenom-
men hat. Damals war der (universitaere) Zeitgeist von diffu-
sen Traeumen des Sozialismus gepraegt, wie es sich die nach-
gewachsene Generation kaum vorstellen kann. Wer heute (wie
der Autor) als Mittzwanziger zum Beispiel eine Fernsehdoku-
mentation ueber diese Zeit ansieht und etwa mit dem morali-
schen Pathos eines langatmigen und irgendwie verblendeten
Rudolf Dutschke (1940-1979) konfrontiert ist, der sitzt mit
dem offenen Mund des Staunens da und kann nicht glauben, dass
es sich bei diesen fotografischen und magnetischen Aufzeich-
nungen um Geschehnisse handelt, die Realitaet waren und
praegenden Einfluss auf die Elterngeneration hatten.
Nun ist nicht zu bestreiten, dass es der Zeit um "Acht-
undsechzig" zu verdanken ist, dass sich der menschliche Um-
gang deutlich entkrampft hat. Wenn ein Beamter heute einen
Knopf im Ohr oder einen Stoppelbart tragen kann, dann gehen
solche und viele andere Entwicklungen sicher auf diese Zeit
zurueck und koennen zu einem guten Teil als Verdienst der
damals jungen Generation angesehen werden. Zwang und Enge
der fuenfziger Jahre, die sich damals aufzuloesen begannen,
sind fuer junge Menschen heute kaum noch vorstellbar.
------ Die Rede ist von Tugenden.
Nun sind die Institutionen-Marschierer von damals
laengst angekommen. Sie haben ihre grossen und unerreichbaren
Plaene aufgegeben und erinnern sich sentimental an die
damalige Zeit. Was sie aber nicht aufgegeben haben sind
ihre Denkweisen. Diese wirken als Rudimente fort und koennten
angesichts der heute absehbaren Probleme durch die Anwendung
der Informations- und Kommunikationstechniken einmal mehr in
die Sackgasse fuehren.
Die Informatik beginnt auf inneren und aeusseren Druck
zu entdecken, dass in ihrem Tun eine Verantwortung steckt,
die sie bisher zuwenig wahrgenommen hat. Nun schreitet der
Einsatz von Computertechnik jedoch schnell voran - es werden
taeglich neue Einsatzmoeglichkeiten entdeckt, und die Systeme
selbst entwickeln einen Grad der Komplexitaet, der fuer den
Menschen nicht mehr ueberschaubar ist. Die moeglicherweise
katastrophalen Folgen sind kaum absehbar. Angesichts solcher
Zustaende nimmt es nicht Wunder, dass sich auch unter Informa-
tikern Ratlosigkeit ausbreitet. Die Frage nach der Verant-
wortung wird entweder ignoriert oder oftmals mit hilflosen
Forderungen nach einer neuen Moral beantwortet. Man koenne
der Probleme nur Herr werden, wenn der Techniker sich ueber
sein Tun klar wird und selbiges nur an dem orientiert, was
fuer den Menschen als Wert wuenschenswert ist.
Nun liegt darin aber eine doppelte Problematik. Sollte
man sich hinreissen lassen, einen Wertekodex definieren zu
wollen, so stellt sich die Frage, wer ueber ihn zu bestimmen
habe. Richtlinien von Standesorganisationen koennen sich
Entscheidungen ueber gesamtgesellschaftliche Fragen nicht
anmassen. Bliebe also die Loesung ueber politische Vorgaben,
wie sie sich vielleicht in Analogie zu den bekannten
Grenzwerten der Umweltgesetzgebung entwickeln liessen. Doch
neben der Schwierigkeit einer Operationalisierung (In wel-
cher Einheit sollte man den Grad des informationstechnischen
Wissens-, Anwendungs- und Folgenstandes messen?) gaebe es das
offensichtliche Problem der Ueberforderung von Politikern,
die sich schon lauthals als Experten preisen lassen, wenn
sie die Funktion einer Enter-Taste begriffen haben.
Der zweite Aspekt der Doppelproblematik liegt im Wesen
von Moral. Innerhalb der Informatik ist (zunaechst von
wenigen vorsichtigen Stimmen) die Forderung nach "Geboten"
zu hoeren, und es wird gar von der Notwendigkeit neuer
Tugenden gesprochen. Was sich aus solchen Vorstellungen
ergeben kann, klingt schon in den Begriffen an. Den Extrem-
fall sehen wir exemplarisch in Buechners Robespierre, wenn er
fordert, dass die Tugend durch den Schrecken herrschen muesse.
Wo Vorstellungen von Moral Eingang in das Denken ueber
elementare Dinge finden, verlieren Werte wie Freiheit und
Menschenwuerde. Denn Tugenden kennen keine Toleranz; sie sind
an glaeubigen Gehorsam gewoehnt. Fuer individuelle Ideen der
Problemloesung oder neue Vorschlaege wird dann kein Platz mehr
sein.
Aber das Dilemma setzt sich noch fort. Zunaechst mag
man eintretenden Schaeden noch mit Hilfe des "Versicherungs-
tricks" begegnen. Eine Haftpflichtversicherung fuer den
Betrieb von Computersystemen kann eventuelle Schaeden schnell
finanziell ausgleichen. Doch die Tragfaehigkeit eines solchen
Systems wird schnell schwinden. Denn die Informationstechnik
ist von dem Drang zu immer groesseren Strukturen gekennzeich-
net; Computernetze sind auf dem Vormarsch. Es entsteht also
eine neue Art von Grosstechnologie, deren Aussmass bestenfalls
mit denen der Chemie- oder Atomindustrie zu vergleichen ist.
Offenbar scheint also auch die Informatik in Gebiete vorzu-
stossen, wo die Beherrschbarkeit mit dem Hinweis auf fatale
Restrisiken relativiert werden muss. Es wird sich niemand
mehr finden, der solche Grossrisiken versichert.
------ Das Ergebnis ist Selbstberuhigung!
Moeglicherweise kuendigt sich als Reaktion derzeit schon
ein Trend an, der schliesslich irgendwelche technischen
Abstrakta zu "guten" bzw. "schlechten" Systemen erklaert.
Nach Art von Gesetzbuechern liesse sich dann entscheiden, ob
ein Informatiker oder ein Unternehmen seine Verantwortung im
jeweiligen Falle verletzt hat. Leider kann ein solches
Vorgehen nicht vor negativen Wirkungen der Informations-
technik schuetzen. Dies ist aus drei Gruenden so. Zunaechst ist
es eine alltaegliche Erfahrung, dass sich Personen von Taten
mit schaedlichen Folgen durch Strafen dann nicht zurueckhalten
lassen, wenn das mit Sanktionen belegte Tun ausgesprochen
lukrativ ist. Gerade die Informationstechnik wird auch in
Zukunft grosse wirtschaftliche Nutzenpotentiale beinhalten.
Zum Zweiten ist die Hemmschwelle fuer untugendhaftes Handeln
dann gering, wenn jemand davon ausgehen kann, dass ihm
fehlerhaftes Handeln kaum nachgewiesen werden kann. Wie etwa
sollte der Urheber und Emittent eines Computer-Virus ausfin-
dig gemacht werden?
Nun werden die Verfechter einer neuen Moral einwenden,
dass es nicht um Sanktionen gegen Personen geht, die bestimm-
ten Vorstellungen zuwiderhandeln, sondern vielmehr darum,
den Menschen ein Bewusstsein zu vermitteln, dass sie dazu
veranlasst, bestimmte Wertvorstellungen aus eigener Ueberzeu-
gung und Entscheidung zu vertreten. Gegen eine solche For-
derung ist zunaechst nichts einzuwenden, ja, sie muss sogar
begruesst werden, weil sie keinen unmittelbaren Zwang ausuebt
und somit der menschlichen Wuerde gerecht wird. Aber dennoch
muss deutlich gesagt werden, dass gerade aus dieser intrinsi-
schen Motivation der dritte und vielleicht beunruhigenste
Grund gegen die Wirksamkeit moralischen Bewusstseins er-
waechst. Es ist die menschliche Neigung zur selektiven Wahr-
nehmung der Welt - ein Phaenomen, das immer nur die anderen
betrifft, weil man es an sich selbst nicht bemerken kann.
Nehmen wir nur eines der zahlreichen banalen wie
grotesken Beispiele, die uns im Alltag begegnen. Die Tragik
des gewaehlten Falles liegt darin, dass gerade ein verantwor-
tungsbewusser Mensch in die Faenge psychischer Sperren geraet.
Stellen wir uns also einen klugen und liebenswerten Hoch-
schullehrer der Informatik vor. Sein Hauptanliegen ist unter
anderem die Oekologie: unsere natuerlichen Lebensgrundlagen
muessen wiederhergestellt werden, was auch zentrales Ziel
einer aufklaerenden Informatik sein muss. Er will zu einer
Tagung in einer entfernten Stadt. Und er entscheidet sich
nicht fuer die relativ umweltfreundliche Bahn, sondern be-
nutzt das Auto, weil es ja billiger sei...
Natuerlich ist ihm laengst bewusst, dass gerade das Auto
eine eklatante (und nicht nur umweltoekologische) Fehlent-
wicklung ist. Dennoch handelt er nicht nach seiner Erkennt-
nis. Es muss bei der Benutzung des eigenen Wagens offenbar
eine andere Fragestellung beruehrt sein! Legen wir uns auf
die Einsicht fest, dass diese Bewusstseinsspaltung einem
Menschen nicht zum Vorwurf zu machen ist, so wird erkennbar,
dass vorhandenes Wissen und bestimmte Wertvorstellungen keine
unmittelbare Funktionalitaet im Hinblick auf die Abwendung
von Schaeden hat. Die einzige Schlussfolgerung, die hier
bleibt, ist truebe. Moralisches Bewusstsein leistet fuer den
einen das, was dem anderen schon die Unwissenheit vermit-
telt: das reine Gewissen. Die Arbeit des Predigens und
Aufklaerens ueber die schlechten Dinge der Welt gewaehrt Ablass
und legitimiert das eigene unverantwortliche Tun.
Die Frage nach der Ueberwindung einer solchen Laehmung
draengt angesichts der Entstehung einer neuen Schluesseltech-
nologie, einer Technologie also, von der das Wohl und Wehe
unserer Zivilisation abhaengen wird. Nehmen wir den Einsatz
von Expertensystemen. Je komplexer sie werden, desto
geringer ist die Chance des Menschen, ihre Antworten zu
beurteilen. Die Beispiele sind hinlaenglich bekannt. Welcher
Arzt wird noch den Mut haben, sich gegen die Aussage eines
vielfach bewaehrten medizinischen Systems aufzulehnen. Denn
sollte die Ueberzeugung des Arztes nicht zum gewuenschten
Erfolg fuehren, so wird man ihn mit ernsten Konsequenzen
fragen, weshalb er nicht nach dem Rat des Systems gehandelt
habe. Nun kann man redundante Systeme vorschlagen, die
unabhaengig voneinander entwickelt werden und somit nicht
gleiche Fehler enthalten koennen. Doch wer wollte entschei-
den, welchem System bei unterschiedlichen Ergebnissen Ver-
trauen geschenkt werden soll? Es bleibt nur die Uebernahme
offenbar bewaehrter staatsphilosophischer Ueberlegungen: Las-
sen wir die Mehrheitsmeinung der Systeme entscheiden.
Bezeichnend ist, dass selbst die schaerfsten Kritiker
unsicherer informationstechnischer Systeme beginnen, elek-
tronisch gespeichertes Wissen fuer automatische Analysen zu
verwenden. Ihre Argumentation lautet, dass etwa angesichts
der aus unsicheren Betriebssystemen entstehenden Virenpro-
blematik keine andere Wahl bleibt, wenn man die auf solchen
Computern verarbeiteten Daten schuetzen will. Ist das ein
faustischer Pakt? Oder ist es Hilflosigkeit angesichts einer
explosionsartigen Verbreitung und Anwendung aeusserst unvoll-
kommener Computertechnik? Denn eine moegliche Folge ist allen
bewusst: Der Versuch einer provisorischen Gefahrenabwehr
fuehrt dazu, dass die Anwender meinen, sich nunmehr in
Sicherheit wiegen zu koennen.
------ Unwirksame Vorschlaege
Trotzdem darf sich kein Fatalismus ausbreiten. Dies
waere eine bedenkliche Reaktion auf Technik-Trends, deren
Weichen sich heute stellen. Doch es ist schwierig, Forderun-
gen zu finden, die Gefahren abwenden koennten. Und wenn man
sie formuliert, so erscheinen sie zu banal, als dass an ihre
Wirksamkeit geglaubt werden koennte. Denn unsere Sinne straeu-
ben sich, in kleinen Dingen Ursachen fuer umfassende Struktu-
ren zu sehen. Bei der Beobachtung der universitaeren Informa-
tik-Ausbildung faellt auf, dass die Studenten mit Lehrstoff
und Uebungsaufgaben ueberschwemmt werden. Wenn sie ihre Aufga-
ben bewaeltigen wollen, so sind sie zum Pfuschen gezwungen,
denn es bleibt kaum Zeit, ueber Problemloesungen eingehend
nachzudenken. Dies fuehrt zu einer Mentalitaet, die program-
miertechnischen Wildwuchs zutage foerdert. Die Appelle der
Lehrenden, einen gut dokumentierten und ueberschaubaren Ent-
wurf abzuliefern, muss da als Alibi-Absonderung im Winde
verhallen.
Unter den Studenten macht das Wort von der "experimen-
tellen Informatik" die Runde. Weil keine kompetenten An-
sprechpartner zur Verfuegung stehen, oder das schlechte
universitaere Klima es verbietet, stellen die Studenten ihre
Fragen kurzerhand an den Rechner, indem eine vermeintliche
Loesung einfach ausprobiert wird. Vermittelt der Augenschein
das richtige Funktionieren, so gilt das Experiment als ge-
glueckt. Auf das Verstaendnis fuer die Loesung und die Beurtei-
lung ihrer Tragfaehigkeit kommt es dann nicht mehr an. Und so
sind Nichtnachvollziehbarkeit und Fehleranfaelligkeit pro-
grammiert. Dies ist umso gefaehrlicher als eine Reflexion
ueber den Zweck eines Programms gar nicht angestellt wird.
Es fehlt also an etwas, dass man die Emanzipation des
Informatikers nennen koennte. Die Forderung wuerde lauten: Der
reine Techniker, der auf Vorgaben aus Politik und Wirtschaft
blind zu arbeiten beginnt, muss der Vergangenheit angehoeren,
wenn die grosstechnische Informatik nicht zur ernsthaften
Beeintraechtigung unseres Lebens werden soll. Informatiker
muessten sich ein Bewusstsein ueber die Konsequenzen ihrer
Technologie verschaffen. Doch bei naeherer Betrachtung ist
dieser Gedanke nicht unproblematisch. Eine reine Emanzi-
pation wuerde lediglich eine ausgeweitete Entscheidungs-
kompetenz derjenigen bedeuten, die eine informationstechni-
sche Ausbildung besitzen. Dabei besteht die Gefahr, dass
statt wirtschaftlichen oder sozialen Aspekten die techni-
schen staerker in den Vordergrund treten. Denn es laesst sich
sicher nicht leugnen, dass Informatiker zunaechst von rein
technischen Aspekten getrieben sind.
------ Mit dem Leitbild in die Katastrophe
Die Gefahr liegt also im reinen Ingenieur-Zustand des
Informatikers. Diesem entgegenzuwirken waere eine Grund-
voraussetzung, wenn man Hoffnungen in eine bessere Gefah-
renabwendung durch die Informatiker selbst setzt. Nun gibt
es in der eingangs genannten Personengruppe die Ueberzeugung,
dass es darauf ankomme, positive Leitbilder zu schaffen, an
denen sich Informationstechnik dann orientieren wuerde.
Solche Leitbilder koennten etwa bestimmte soziale Anforderun-
gen beinhalten. Die Hoffnung besteht darin, dass eine Vor-
stellung von erstrebenswerten Zustaenden den Informatikern
helfen koennte, Systeme zu schaffen, die dem Menschen gerecht
wuerden. Die Gefahr risikoreicher Technologie koennte somit
vermieden werden.
Die Erfahrung lehrt, dass diese Hoffnung truegt. Gerade
das Streben nach Verwirklichung grosser Zielvorstellungen,
wie Utopisten sie immer wieder in grossen Gemaelden der
Phantasie dargelegt haben, ist hochgefaehrlich. Es fuehrt in
Sackgassen. Denn wer euphorisch auf dem Weg ist, schaut auf
die Erfolge und vergleicht sie stolz mit der zu verwirk-
lichenden Idee. Einen Blick auf die zunaechst unbedeutend
erscheinenden negativen Nebenwirkungen gibt es nicht. Ein
eklatantes Beispiel fuer die fatalen Folgen der Verwirkli-
chung einer menschenfreundlichen Utopie sehen wir heute im
Automobil. Niemand konnte der Idee widersprechen, dass ein
Kraftwagen im Besitz eines jeden Haushaltes den Menschen aus
der Enge und Tristheit seiner eingeschraenkten Bewegungsmoeg-
lichkeiten befreien koennte. Der geplagte Stadtmensch wuerde
am Wochende hinaus in die frische und freie Natur aufbre-
chen. Menschen wuerden einander begegnen, weil sie mit dem
Automobil schneller beieinander sind.
Aber niemand konnte oder wollte die vielfaeltigen
Folgen sehen, die sich neben den positiven Leitvorstellungen
einstellen mussten (vgl. Chalisti vom 1. Juni 1991: "Wir
leben laengst im Cyberspace"). Heute haben wir die Pest in
den Staedten, und niemand kann einen Ausweg weisen, da der
individuelle Kraftverkehr laengst in die Gesamtzivilisation
eingebaut ist. Die vielfachen Abhaengigkeiten schaffen offen-
bar vollendete Tatsachen. Die zynische Antwort auf die
taegliche Beeintraechtigung des Lebens durch Laerm usw. sowie
die zehn- oder zwoelftausend zerquetschten und verkohlten
Todesopfer lautet: Es ist der Preis des Fortschritts.
Und genauso wird es mit der Informatik kommen. An
positiven und segensreichen Leitbildern fehlt es auch ihr
nicht, und das formulierte Ziel steht ganz analog zum
Strassenverkehr. Gefordert wird die "Gleichheit der Chancen
fuer die Welt der kognitiven Prozesse". Dies sei eine gewal-
tige Aufgabe, deren Umsetzung unter Umstaenden Jahrzehnte
dauern kann. So nebuloes die Forderungen bei genauerer
Betrachtung sind, so wahrscheinlich ist auch, dass eine
Sackgasse betreten wird. Das Bemuehen um ein im Gegensatz zu
amerikanischen Trends differenzierteres und durchdachteres
Leitbild mit moralischem Anspruch zeigt seine schlimmen
Folgen erst Generationen spaeter. Im Strassenverkehr haben wir
heute den Zustand, dass Kinder mit kiloschweren Rucksaecken -
Expeditionstraegern gleich - auf den mit toedlichen Gefahren
gepflasterten Schulweg geschickt werden. Derweil setzt sich
Papi in den tonnenschweren Wagen und brettert los zum
Arbeitsplatz. Unterwegs faehrt er hier und da an kleinen
Holzkreuzen und verwelkten Blumenstraeussen vorbei...
Fuer die Opfer der Computertechnik werden keine Pixel-
Kreuzchen auf den Bildschirmen erscheinen. Nun kaeme seitens
kritischer Informatiker folgender Einwand: Wenn uns gerade
durch die Informatik in der Zukunft Gefahren drohen, so waere
es doch unverantwortlich, wenn wir nicht wenigstens den
Versuch machen wuerden, positive Vorstellungen zu entwickeln.
Und in der Tat kann der Eindruck entstehen, dass die hier
unternommene Argumentation auf einen reinen Fatalismus oder
auf strikte Verweigerungshaltung gegenueber informationstech-
nischem Fortschritt hinauslaeuft. Dies aber muss als Irrtum
zurueckgewiesen werden. Hier geht es um die Warnung vor der
schleichenden Katastrophe, die mit den bisher vorgeschlage-
nen Mitteln nicht zu bekaempfen ist. Zwei Hauptgesichtspunkte
sind dabei zu beachten. Zunaechst darf nicht uebersehen
werden, dass Informationstechnik (wie viele andere Lebensbe-
reiche auch) der wirtschaftlichen Dynamik unterliegen.
Weiterhin muss in aller Deutlichkeit die Frage gestellt
werden, ob der Gestaltungswillen allein den Informatikern
ueberlassen werden darf.
Die Computer haben innerhalb der letzten zehn Jahre in
grossem Stil Einzug in die industrielle Fertigung gehalten.
Sie haben Logistik und Distribution revolutioniert sowie die
Arbeit in den Bueros veraendert. Es gibt also offensichtlich
deutliche Vorteile durch Rationalisierung. Vorteile ergeben
sich besonders aus dem Austausch von Informationen in einem
grossen System. Es reicht nicht, von der Abbildung bisheriger
Organisationsstrukturen auf Computer zu sprechen, denn deut-
lich vergroesserter und differenzierterer Informationsaustausch
oeffnet Tore zu ganz neuen Strukturen. Ohne hier eingehendere
Betrachtungen anstellen zu wollen, kann gesagt werden, dass
Informationstechnik zu umfassenden, grossraeumig vernetzten
Systemen fuehrt, deren Ueberschaubarkeit sich verringert. Die
oft gehoerte Forderung nach kleinen und nachvollziehbaren An-
wendungen liegt nicht im Wesen wirtschaftlicher Systeme.
------ Auf dem Weg zum Standesduenkel
Gleichzeitig werden Sicherungsmassnahmen aus Kosten-
oder strukturellen Gruenden nicht vorgenommen. Die Anwender
muessen sich auf ein bestimmtes System festlegen und koennen
anschliessend nicht ohne Weiteres umsteigen. Die Anbieter
versuchen ihrerseits die Gewinnmoeglichkeiten einer Technik
moeglichst lange auszunutzen. Erst wenn die Fehler der Sys-
teme unertraeglich werden, beginnt sich ein Markt fuer
Sicherheitstechnik zu entwickeln. Die Rolle der Prediger und
Warner ist aeusserst schwer einzuschaetzen. Die interessante
Frage lautet, inwieweit Bewusstsein unabhaengig von Kostenge-
sichtspunkten das Design bestimmen kann. Moeglicherweise sind
viele Kostenrechnungen von vornherein Makulatur und dienen
nur der Rechtfertigung einer Idee, die zunaechst nicht ratio-
nal begruendet werden koennte.
Aber gerade wenn Wahrheit heute beschlossen werden
muss, spielen Leitvorstellungen eine entscheidende Rolle.
Einfluss haette also derjenige, der in der Lage ist, bestimmte
Zielvorstellungen in die Ideenwelt der Verantwortungstraeger
zu befoerdern. Aber Einfluss bedeutet noch nicht die Macht zur
Gestaltung. Wenn Informatiker glauben, wuenschenswerte Tech-
nologien seien exakt planbar, so muss auf die Sozialwissen-
schaften verwiesen werden, die laengst eingesehen haben, dass
die Planbarkeit von umfassenden Idealvorstellungen aeusserst
gering ist.
Die Informatik ist eine vergleichsweise junge Wissen-
schaft. Sie beginnt Anstrengungen zu unternehmen, ihren
Platz zu finden. Dies wird durch den Umstand erschwert, dass
sie die Schluesseltechnologie unserer Zeit liefert und sich
somit grossen Erwartungen gegeuebersieht. Da Geld und Anerken-
nung winken, lohnt es fuer viele Informatiker nicht, Gedanken
an die Folgen zu verschwenden. Doch die Zweifel sind gewach-
sen. Es wird die Forderung laut, Informatiker muessten sich
staerker mit den vielfaeltigen sozialen Auswirkungen beschaef-
tigen, diese diskutieren und somit schon im Vorfeld Schwie-
rigkeiten entgegenwirken. Die Frage ist nunmehr, ob die
Informatik damit nicht ueberfordert ist.
In der oeffentlichen Meinung ist das Vertrauen in den
technischen Fortschritt ruecklaeufig. Es setzt sich die Ein-
sicht durch, dass fuer jede Entwicklung auch ein Preis zu
zahlen ist. Wahrscheinlich ist dieser Trend auch Ursache des
Auftauchens kritischer Fragen innerhalb der Informatik. Diese
auf den ersten Blick zu begruessende Entwicklung birgt aber die
Gefahr der drohenden (Selbst-)Isolation der Informatik. Es
ist geradezu ein Gemeinplatz, dass es in der Natur von Insti-
tutionen liegt, dass sie nur ueber bestimmte Schnittstellen mit
ihrer Umwelt in Kontakt treten. Wird ein neues Problem ueber-
haupt wahrgenommen, so erklaeren sie sich fuer nicht zustaendig,
oder es wird versucht, das Problem innerhalb des Systemrah-
mens zu loesen.
Und da liegt der heikle Punkt. Die Folgen der Einhal-
tung des Systemrahmens "Informatik" koennte zu einem neuarti-
gen Standesduenkel fuehren, indem man meint, alle Probleme
selbst loesen zu koennen. Da kaum zu vermuten ist, dass
naturwissenschaftlich ausgebildete Fachkraefte ein ausrei-
chendes Gespuer fuer soziale oder wirtschaftliche Frage-
stellungen entwickeln, bleibt die Forderung nach der Wahr-
nehmung von Verantwortung innerhalb der Informatik zweifel-
haft. Eine weitere Differenzierung und Spezialisierung
bestehender Institutionen erscheint heute ebenfalls unzurei-
chend. Denn ausschliessliche Fachbezogenheit von umfassenden
Gestaltungsvorstellungen bedeutet eine neue Form der Techno-
kratie. Dies waere eine Entwicklung, die nicht hingenommen
werden kann. Es kommt heute darauf an, neuartige gesell-
schaftliche Organisationsformen zu finden, welche den Pro-
blemen unserer fortschreitenden technischen Zivilisation
gerecht werden.
------ Die neue Moderne schaffen
Seit Mitte der siebziger Jahre haben sich Organi-
sationsformen herausgebildet, die unter dem Begriff "neue
soziale Bewegungen" zusammengefasst werden. Ihnen ist es
gelungen, vielfaeltigste Probleme und Fragestellungen in das
oeffentliche Bewusstsein zu transportieren. Der Vertrauens-
schwund des unausgereiften Btx-Systems etwa geht sicher
nicht zuletzt auf die spektakulaeren Aktivitaeten von Personen
zurueck, die diesen Bewegungen zuzurechnen sind. Ihnen ist es
gelungen, eine Kontrollfunktion wahrzunehmen, die anderen
Institutionen innerhalb der Gesellschaft offensichtlich
nicht zur Verfuegung stand. Es kann aber nicht uebersehen
werden, dass die neuen sozialen Bewegungen heute moeglicher-
weise an die Grenzen ihrer Leistungsfaehigkeit stossen, weil
oeffentliches Bekanntwerden von Missstaenden nicht ausreicht.
Blossgestellte Institutionen sind in der Lage, Schwaechen und
Fehler zu kaschieren bei gleichzeitiger Verbesserung der
Abschottung gegenueber Aussenstehenden.
Die zunehmende Komplexitaet und Verwobenheit techni-
scher und sozialer Zusammenhaenge erfordert neue Organisa-
tionsformen, welche die Isolation unterschiedlichster Insti-
tutionen aufhebt. Es bedarf eines offenen und fuer jeden
Interessierten zugaenglichen Forums, das Personen zunaechst
informell zusammenfuehren kann. Kommunikation, die - dem
Platzen einer Sporenkapsel gleich - auf das zufaellige
Erreichen passender Adressaten setzt, muss durch andere
Konzepte ergaenzt werden. Die Technik der Mailboxen bietet
die Moeglichkeit dazu. Doch waere es verfehlt, eine isolierte
Gegenkommunikation nach dem Muster von Presseagenturen auf-
bauen zu wollen. Diese Vorstellung zeigt sehr deutlich, dass
der technischen Ingenieurleistung der Bereitstellung von
Kommunikationssoftware noch keine angemessenen Ideen ueber
die ungeahnten Moeglichkeiten der Nutzung dieser neuen Tech-
nik gefolgt sind. Nur wenn unser Gemeinwesen eine verfei-
nerte und gleichzeitig uebergreifende Organisationskultur
entwickelt, wird sie den zukuenftigen Risiken der Computer-
Zivilisation einigermassen gewachsen sein. Dazu bedarf es der
Fantasie unterschiedlichster Menschen. Moralische Informati-
ker allein reichen keinesfalls!
Von Frank Moeller, Oktober 1991
F.MOELLER@LINK-HH.ZER
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NEXT PFA6
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---___--_----_ Der Hardware Corner ----___-_-----__--_
----_-_---_--_ Ausgabe No. 1 ____-_---__-_---___
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Hallo Hardware-Freaks und solche, die es werden wollen!
Nun ist sie da, die erste Ausgabe des Hardware-Corners. Na, wie steht's
mit eurem Beduerfnis nach News aus der Welt der Hardware, gestillt?
Ich denke wohl kaum. Ist ja auch kein Wunder, schliesslich dreht es sich
in den Netzen um fast alles, nur nicht um Hardware.
Der eine sucht ein Mailbox-Programm, der naechste eine Terminal-Emulation,
hart ist das Leben von Haecksen und Hackern.
Vielleicht wird sich das in Zukunft aendern, mit Eurer Hilfe - wenn Ihr
Lust habt!
Also: Wer Fragen hat, immer her damit.
Probleme, ich loese sie - grenzenloser Optimist!
Manuskripte?! Wunderbar! "Nur" Ideen? Wo bleibt die Mail?!
Der Hardware Corner (HC) soll ab sofort eine staendige Rubrik des globalen
Dorfes werden. Aber auch wenn mal eine Chalisti lang nichts zu hoeren sein
sollte: Keine Panik. So leicht ist der HC nicht zu killen.
Der Inhalt des HC soll sich von Grundlagen fuer Einsteiger bis zu
Hardware-Interna erstrecken. Tests vielleicht, aber das kommt auf meine
Moeglichkeiten an.
Ok, dann man bis bald,
und denkt daran: der "Hardware Corner" kann nur ueberleben, wenn Ihr
euch beteiligt!
In diesem Sinne,
euer Christian
Mail an die Redaktion: c_kuhtz@data-hh.zer
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____-_-__--__ INHALT __-_-______--_
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I. N E W S
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o NECs neue Multisyncs
o Motorolas Economy-Class
II. M A I N S T R E A M
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o HP 95LX
ein Geniestreich oder Flop?
o EISA gegen Microchannel,
ein totes Rennen?
III. H O T M A I L
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IV. P R E V I E W E R
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IIIIIII
III +++ +++ ++++ ++ + + + + +++ ++ ++++ ++ + ++ +++ ++ +++ + +++ + ++
III +++ + + + +++ + N E W S + + + +++ + ++++
III + +++ ++ + + +++ ++ + + + + + ++ + ++++ + +++++ + + +++
IIIIIII
))) NECs neue Multisyncs (((
Zur Abloesung der NEC Multisyncs 3D/4D wurden auf der Nordbuero zwei neue
Monitore ( NEC Multisync 3FG/4FG) vorgestellt. Beide 15" Flatscreens sind
entspiegelt, und das ist auch die erste grosse Veraenderung. Statt 14" beim
NEC Multisync 3D und 16" beim 4D sind es jetzt 15", und statt gewoelbter
Bildschirme sind es jetzt Flatscreens.
Trotz alldem hat sich an der Aufloesung nichts geaendert. Sie ist bei beiden
maximal 1024x768 Pixel, jedoch bietet der der 3FG diese nur mit dem
flimmerigen Interlaced-Modus an.
Ansonsten schaffen beide eine Bildfrequenz von 70Hz.
Neu ist das ADC (Advanced Digital Control) System. Mit Ihm koennen Features
wie "individuelle Kissenentzerrung" fuer exakte Bildgeometrie und Fullscan
(also Bild bis in die Ecken ziehen) angewaehlt werden. Der 4FG bietet
darueber hinaus noch mehr. Er schafft es bis zu 19 Grafikmodi und indivi-
duelle Farbanpassungen zu speichern.
Was die Sicherheit angeht, sind die neuen NECs "up to date". Beide sind so
strahlungsarm, dass sie sogar unter den neuen schwedischen Empfehlungen des
Instituts fuer Strahlungsforschung/Stockholm MPR II liegen. Daher gibt es
auch keine SSI Versionen mehr.
Zusaetzlich sind "TUeV Ergonomie geprueft" und wahrscheinlich wieder Anwaerter
auf das Praedikat "if" (gute Industrieform).
Was jedoch das Kuerzel "FG" bedeutet, wird wahrscheinlich genauso ein Raetsel
bleiben wie das "D" beim 3D/4D
Literatur: Haendler oder NEC
++ + +++ +++ +++ +++ ++
))) Motorolas Economy-Class (((
Motorola hat eine neue Prozessorklasse auf den Markt gebracht:
die Economy Class (EC).
Sie ist im Vergleich zu den Urspruenglichen 68K Prozessoren abgespeckt und
daher fuer Spezialanwendungen bestens geeignet.
Warum sie abgespeckt wurden laesst sich an einem Beispiel verdeutlichen:
Der 68030 hat eine integrierte MMU (Memory Managing Unit). Aber was soll
aber ein Prozessrechner zur Flaschenabfuellung damit?
Er besitzt wahrscheinlich eh nur begrenztes ROM/RAM und die MMU wuerde
deshalb nie genutzt werden.
Der Vorteil der abgespeckten Versionen liegt auf der Hand: Durch die
geringere Anzahl von Transistoren auf dem Chip ist eine billigere
Produktion moeglich...
Man sieht, alles dreht sich nur ums Geld :-)
Motorola hat fast die komplette 68K Serie als EC herausgebracht.
Ausgeklammert wurden nur 68008 und 68010. Ansonsten sind der Ur-68000,
der 020er, 030er und 040er als 68EC000, 68EC020, usw. erhaeltlich.
Insofern ist die EC-Serie sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Mehr darueber aber in einer der naechsten Chalistis...
Literatur: bei Motorola in Muenchen anfordern
Tel.: 089/921030-0 (Literatur-Abt. verlangen)
IIIIIII IIIIIII
III III =====================================================
III III - - - Der M A I N S T R E A M - - - -
III III =====================================================
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))) DER HP 95LX, Hewlett Packards Geniestreich (((
Er ist wahrscheinlich DER Palmtop den es in diesem Jahr auf dem Markt gibt.
Fuer alle die nicht wissen sollten, was ein Palmtop ist: palm" ist Englisch
und heisst "Handflaeche". Also ist ein Palmtop ein PC fuer die Hand ( "Laptop"
sollte (!) ja eigentlich auch ein PC fuer die Oberschenkel (engl. "lap")
sein :-) ).
Der Hewlett Packard 95LX ist wohl der Rechenzwerg fuer Mobilisten
schlechthin.
Er ist die absolute Alternative zum Laptop fuer Leute die nur eine mobile
Kalkulation oder einen Terminal brauchen, oder einfach nur einen in
Turbo-Pascal programmierbaren Taschenrechner. Sicher "C" kann er auch.
Nur mit Smalltalk oder LISP duerfte es mangels Speicher nicht klappen.
Mit dem HP 95LX ist dies alles deshalb kein Problem, weil er voll MS-DOS
und IBM PC XT kompatibel ist. Letzteres bis auf eine kleine Einschraenkung:
der HP 95LX bietet keinen Hercules,CGA,EGA oder VGA kompatiblen
Grafikmodus. Dafuer
ist er jedoch MDA (also monochromer Text) kompatibel. Pixelgrafik bietet
er zwar auch aber die ist mit keinem Standard vergleichbar.
Er besitzt einen fest eingebauten 512KB Hauptspeicher und 1MB (!) ROM. In
diesem riesigen ROM sind Lotus 1-2-3 (Version 2.2 dt.) und MS-DOS 2.2
vollstaendig enthalten. Damit aber nicht genug: auch ein Terminalprogramm
ist ebenso im ROM wie Memoblock, Terminkalender, HP 48SX kompatibler
Taschenrechner und Geleichungsloeser. Der Taschenrechner besitzt ebenso wie
sein Vorbild UPN und ist bis in die kleinste Funktion hin voll kompatibel.
Kommunikativ ist das kleine Kerlchen auch noch. Er besitzt eine serielle
drei-Draht Schnittstelle und eine Infrarot-Schnittstelle. Besonders zu
letzterer sind noch in der naechsten Zeit ein Haufen Neuentwicklungen zu
erwarten. Mit der Infrarot-Schnittstelle koennen auch mehrere HP 95LX
direkt miteinander kommunizieren.
Aber auch Palmtop-Desktop-Link ist kein Problem. Die Fileshuttle-Software
ist bereits im ROM und die Software fuer den Desktop erwirbt man mit dem
seriellen Kabel.
Allein diese Features zeigen, das der Palmtop von HP auf KEINEN Fall ein
ein Atari Portfolio Nachbau ist, denn diese Kruecke wird mit dem
Erscheinen des HP 95LX eingueltig zum "Schrott des Jahres" erklaert.
Alleiniger Konkurrent ist ein Palmtop namens Poquet, dessen Hersteller
seit dem Erscheinen des HP 95LX auf einmal auch Lotus 1-2-3 kostenlos als
Software dazugibt. HPs Rechnung scheint aufgegangen zu sein.
(Uebrigens wer etwas ueber den Poquet weisst => MAILEN!)
Der HP 95LX ist vielmehr eine perfekte Entwicklung von HP, Intel und
Lotus.
Warum? Die Idee und technische/marketing Realisation stammt von Hewlett
Packard, jedoch den Loewenanteil (so finde ich) haben Intel und Lotus
geschafft. Intel hat den PC Chipsatz mit all seinen Bausteinen 100%
kompatible in 2 (!) ASICs integriert und Lotus eine ROM-faehig Version von
Lotus 1-2-3 entwickelt.
Aber auch das Terminalprogramm hat es mir angetan. Mit einem Worldport
2400 (vielleicht mit MNP5) und einem kleinen Kabel wird es DER tragbare
Terminal ueberhaupt. Was will mensch mehr?
Zur Speicherung der Daten oder auch als Hauptspeichererweiterung benutzt
der HP 95LX RAM-Cards. HP selbst bietet 128KB, 512KB und bis Ende des
Jahres 1MB an. Da aber der Slot dafuer dem PCMCIA- und JEIDA-Standard
entspricht duerfte menschwohl auch die heute schon verfuegbaren 1MB und
2MB Karten benutzen koennen. (fuer die Zukunft sind von anderen Herstellern
ja bereits 4MB Karten angekuendigt!). Das schoene an der
Hauptspeicherverwaltung des Palmtop ist, dass man frei waehlen kann
wieviel RAM man als Hauptspeicher oder RAM-Disk haben moechte.
Nun zum Knackpunkt: Wie lange ueberlebt der HP 95LX ohne Netz? Ich habe mir
von Leuten, die das Teil getestet haben, sagen lassen, dass sie 60-100 (!)
Stunden ohne Netz ausgehalten haben. (bei intensiver Kommunikation mit
dem Modem natuelich weniger!) Dabei besitzt der HP jedoch nur 2(!)
Mignon-Zellen als Power-Pack.
Nebenbei: HP ist der einer der wenigen Hersteller bei dem die
tatsaechlichen Angaben ueber die Betriebsdauer mit Akkus o. Batterien
genau mit den realen Angaben uebereinstimmen.
MEIN TIP: Zum Haendler und unbedingt Ansehen!!!
Literatur: Haendler oder Hewlett Packard
= ====== = == == == = = == = == = = == ====
))) EISA gegen Microchannel, ein totes Rennen? (((
Das Rennen um den "de facto"-Standard scheint vorbei...
DENN: IBM verkauft seine neuen Modelle jetzt wahlweise mit EISA oder
Microchannel.
Warum das so ist, duerfte wohl jedem klar sein: wahrscheinlich hat IBM endlich
eingesehen, dass der Microchannel gescheitert ist.
Aber ob das wirklich Einsicht ist? Immerhin wird der Microchannel ja immer
noch angeboten und auch gekauft (!).
Jedenfalls ist das wohl auch die beste Loesung fuer die User (wer schmeisst
schon seine alten ISA-Karten weg?!).
Leider hat das Chaos um den zukuenftigen Busstandard recht lange gedauert und
trotzdem wird Big Blue wohl wieder mit einem dicken blauen Auge davonkommen.
Wer nicht hoeren will, muss fuehlen...
Aber die IBM hat schon mehrere solche Dinger gebracht - mensch erinnere sich an
den PC Junior oder Convertible, usw. - und trotzdem ist sie immer noch am Leben.
Hoffentlich kommt bald der Abgesang auf IBMs PC Markt...
Es bleibt aber wahrscheinlich alles wie es ist und IBM wird weitermachen wie
zuvor. Sie hat bereits auch angekuendigt, dass sie nun "voll" in das Endkunden
Geschaeft einsteigen moechte. Na, was daraus wohl wird...
Was wohl passieren wuerde, wenn IBM sich vom PC-Markt zurueckziehen wuerde...
Spekulation - ich weiss - aber, dass waere wahrscheinlich einer der segens-
reichsten Tage in der PC Geschichte! Die Architektur koennte nach ihrer
verkorksten Jugend vielleicht noch ein bluehendes Leben erblicken...
(Wen es interessiert: noch segensreicher waere wahrscheinlich, wenn Mikroweich
mehr Kraft in die Entwicklung von OS halbe gesteckt haette, damit OS/2 ein
richtiges Multitasking-OS geworden waere mit einer richtigen MS-DOS-
Compatibility-Box. So ist der Effekt, dass wir eigentlich nur halbe Sachen
haben...)
IIIIIII IIIIIII IIIIIII ____________
III III III __________
III III III _________ H O T M A I L
III III III ________
IIIIIII IIIIIII IIIIIII
* * * HOTMAIL bitte an direkt an die Redaktion! * * *
Diese Rubrik ist leider noch leer. Wenn niemand fragt koennen auch keine
Antworten hier stehen.
Also wenn Ihr noch Fragen habt - zu Artikeln oder sonst irgendetwas, dann bitte
sofort mailen. Fragen werden garantiert beantwortet!
WICHTIG: Mail an obige Adresse und bei Betreff "HOTMAIL" angeben. Wenn
Ihr euch auf irgendwelchen Artikel bezieht, dann schreibt bitte
welche Chalisti und welchen Artikel ihr meint. Danke!
IIIIIIIIIII
II II _______________ P R E V I E W E R _______________
II II
III ... und in dem naechsten Hardware-Corner ...
IIIIIIIIIII
werde ich ueber die neuen SUN SPARCstations und ueber den SPARCserver2
schreiben.
Vielleicht auch ueber LANs, aber das ist noch nicht sicher.
Genauere News ueber
... und alles was neue und interessant ist!
Wie ueberall gilt auch hierzu: Solltet Ihr News haben, bitte sofort mailen!
Aenderungen vorbehalten. c_kuhtz@data-hh.zer
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NEXT PNE8
Die Post: Ein Dienstleistungsunternehmen der Sonderklasse
Der Autor moechte am Anfang darauf hinweisen, dass dieser Text keine
fiktive Story, sondern pure Realitaet ist.
Alles fing an, als ich, Andreas Benkel, der SysOp der Nirwana, nach Kaisers-
lautern zog und zwei neue Telefonleitungen beantragte (eine Voice-Leitung
und eine fuer meine Mailbox). Bis die Leitungen erst mal im Haus waren
gab es schon ein ziemliches Drama, doch das ist wieder eine andere
Geschichte. Aber das, was ich NUN erleben sollte, war einfach .....
UNBESCHREIBLICH....
Ich werde nun trotzdem versuchen, Euch meine "Erlebnisse" mit der Deutschen
Bundespost Telekom, im folgenden nur noch als P*ST oder Ekelkom bezeichnet,
mitzuteilen:
Kaum waren die Leitungen im Hause, erlebte ich schon wieder eine herbe
Enttaeuschung: Die Leitungen von Kaiserslautern-Einsiedlerhof in die
Stadtmitte von Kaiserslautern oder darueber hinaus waren DERMASSEN schlecht,
dass ich beim Anrufen mancher Boxen nicht einmal einen CONNECT 2400 bekam:
Ich hoerte zwar sehr leise einen Carrier, aber dann legte die Gegenstelle
schon wieder auf :-( Klappte der CONNECT 2400 zufaellig, so waren NUR NOCH
Steurzeichen zu sehen, ab und zu vielleicht mal ein nettes "eben (&/itte Gast
ein" oder so, aber das war's dann auch schon. Leute, die mich aus der
Stadtmitte aus anriefen, bekamen auch keinen CONNECT 2400, MEIN Modem
hingegen erkannte jedoch den Connect. (Das ganze musste wohl wieder auf
dem Problem beruhen, dass generell die Leitung vom ANGERUFENEN zum ANRUFER
schlechter ist als umgekehrt, aber egal ...)
Dieses Phaenomen kannte ich bereits von meiner alten Leitung: Die P*ST war
schliesslich auch ca. 10 mal bei mir zu Besuche gewesen und hatte gemeint:
"Ja, die Leitung zur Vermittlungsstell' ist doch okeh, do kenne mer nix
mache ...". NIEMAND war auf meine Probleme eingegangen und niemand hatte
die Leitungen von meiner Vermittlungsstelle zu der uebergeordneten Ver-
mittlungsstelle durchgemessen.
Nachdem nun ein Entstoerer bei mir gewesen war und dieselben Kommentare
losgelassen hatte wie die Entstoerer, die sich desoefteren in meiner alten
Wohnung ein Stelldichein gegeben hatten, war's mir nun endgueltig zu viel.
Nun, diesmal wollte ich NICHT wieder 3 Jahre lang mit einer miesen Leitung
zu kaemfen haben, also rief ich gleich beim Bundespostministerium in Bonn
an. Dort erreichte ich leider nur noch den Pfoertner, der mich auf den
naechsten Tag verwies (es war schon gegen 21:00 Uhr). Am naechsten Tag
leitete man mich weiter an die Generaldirektion der Bundespost Telekom,
ebenfalls in Bonn ansaessig. Ich war ueberrascht, denn eine nette Dame nahm
sich meiner an und kuemmerte sich auch nun wirklich um mein Problem.
Kurz danach bekam ich einen Anruf von der Stoerungsstelle in Kaiserslautern,
die sich auf den Schlips getreten fuehlte: "Ja, aehm, wieso haben sie denn in
Bonn angerufen ? Es war doch erst *EIN MAL* ein Entstoerer bei ihnen gewesen!"
Ich erklaerte ihnen meine Motive und gab sogar zu, da_ es eventuell ein wenig
verfrueht gewesen sein koennte. Aber egal, ganz egal.
Es wurde ein Termin mit mir vereinbart, zu dem der Entstoerer nochmals
vorbeikommen und sich die Sache vor Ort anschauen sollte. Zwischendurch
bekam ich immer freundlich bemuehte Anrufe aus Bonn, die mich vertroesteten ...
Aber immerhin ! Ich fuehrte dem Entstoerer die Geschichte mit einem Discovery
2400 vor, und dann meinte er naturlich: "Aehm, da weiss ich nichts, das ist
die Sache der Datenentstoerer, an die werde ich die Sache weitergeben".
(Das war Besuch 2).
Wieder wurde ich aus Bonn angerufen. Wenn das ein Problem mit meinem Modem
sei, dann solle ich doch mal die Beratung der Bundespost in Anspruch nehmen,
die wuerde 150 DM kosten, und ich solle mir dann eine Datenleitung schalten
lassen. "Nein," entgegnete ich, "nein, ich habe vor allem das Problem, dass
beide Telefonleitungen sehr leise sind. Auch die Sprachverbindung ist also
schlecht.". "Gut, ich werde mich dann nochmal erkundigen. Wann kann ich sie
zurueckrufen ?". "Na, am Freitag gegen 15 Uhr.".
Als ich am besagten Freitag kurz NACH 15 Uhr nach Hause kam, fand ich schon
einen Zettel im Briefkasten: "Ihr Telefonanschluss soll ueberprueft werden...
Aber sie waren nicht da... Bitte rufen sie uns an: Tel. 1171". - das kennt
man ja. Also die Stoerungsstelle angerufen und nachgefragt: "Ja, richtig,
jemand aus Bonn hat uns mitgeteilt, sie waeren gegen 15 Uhr zu Hause, und
da haben wir einfach den Termin angesetzt". Ein neuer Termin fuer Montag,
gegen 14 Uhr, wurde vereinbart.
Am Montag wartete ich ... ich wartete und wartete. Ich wartete kurz bis
vor 16 Uhr. Dann rief ich in Torschlusspanik (punkt 16 Uhr wird da ja jeder
Telefonhoerer hingeschmissen :-) nochmals bei der Stoerungsstelle an. Ich wurde
endlich mal mit einem "Zustaendigen" verbunden :-) Dieser offenbarte mir:
"Ja, richtig, aehm, da muss in ihrem Fall eh die Datenentstoerung vorbeikommen.
Deswegen ist heute bei ihnen keiner erschienen. Wir haben damit gerechnet,
dass sie uns wieder anrufen".... Aha, toll! Gut, der naechste Termin wurde
nun ausgemacht :-)
Bei diesem trabte nun zuerst wieder unser allseits bekannter Entstoerer
an und mass die Leitung nochmal gruendlich nach. "Hmm, ja, da sind etwa
50 Ohm zu viel Widerstand auf der Leitung ... Aber naja".... "So, jetzt
kommen mal die Kollegen von der Datenentstoerung". Denen wollte ich zunaechst
den Effekt mit einem LOGEM-Modem (mit ZZF-Nummer(!)) vorfuehren. Naja, ich
hatte natuerlich an diesem Tag spezielles Pech, es funktionierte einwandfrei!
Aber gut. Nun bauten sie ihre Testeinrichtung auf. "Ja, diese Testein-
richtung sendet laufend den "the quick brown..." Text an die Gegenstelle.
Diese sendet denselben Text zurueck, und dann wird ueberprueft, wieviele
Bitfehler ruebergekommen sind." "Sehen Sie... Naja, da sind jetzt schon
40000 Bytes uebertragen und erst 2 Bitfehler", offenbarte man mir, als
man hin und her probiert hatte. Das war ein Anruf, den sie von Frankfurt
bekommen hatten. Jetzt riefen sie selbst in Frankfurt an. "Sehen Sie,
die Leitung ist in Ordnung, wieder nur 2 Bitfehler... nee, jetzt sind's
drei...". Nach dem Test wurde bei der Gegenstelle angefragt, wieviele
Fehler denn DORT ruebergekommen seien. "WAS !!?? - WIEVIELE ??? VIER-
HUNDERT !????". Tja... und natuerlich freute ich mich ziemlich :-) Selbst
die P*ST hatte Fehler diagnostiziert, zwar nur in eine Richtung, aber dort-
hin dann mit einer Fehlerrate, die 10 mal so hoch war wie die, welche
die P*ST als MAXIMUM angibt.
Gut. Die Diagnose war dann: "Naja, mal sehen, vielleicht koennen wir Ihnen
einen NLT-Verstaerker schalten, aber da sind wir auch nicht so sicher. Denn
erstens garantiert die P*ST nur fuer Sprechverbindungen, und zweitens haben
Sie ein privates Endgeraet, hmm, sie sollten sich eine Datenleitung legen
lassen, dann garantiert die P*ST auf jeden Fall fuer die Qualitaet. Ausserdem
wollen wir die Leitung erst nochmals gruendlich durchmessen."
Ein weitererer Termin wurde vereinbart (ja, ich hab ja auch NIE was anderes
zu tun, als die P*ST ein- und auszulassen :-(). Bei diesem erschien nun ein
mir voellig neues Enstoerergesicht. Dieses testete nun mit einem Kollegen,
der in "meiner" (6 km entfernten) Vermittlungsstelle sass, einige Frequenzen
durch (nachdem er erst mal Orientierungsprobleme gehabt hatte: "Ja, welche
Leitung ist denn welche ? Und um welche handelt es sich ? Ich hab hier nur
91896 auf meinem Zettel stehen ? Die 91897 auch noch ???"). Das Ergebnis
war: "Ja, die 91896 wird irgendwie leicht beeinflusst, wir werden das mal
ueberpruefen und versuchen, die Leitung ueber ein anderes Kabel zu fuehren. Sie
werden dann von einem Kollegen benachrichtigt." Wann das waere - na, das
stand halt in den Sternen. Wenn die Leitung halt leise waere, dann waere
es wohl "Persoenliches Pech", oder wie sich der gute Mensch ausdrueckte.
Als er wieder aufbrach, meinte er noch: "Besser schauen Sie einmal nach,
ob ich nicht Ihre Leitungen vertauscht habe. Bei dem Gewirr blickt ja
keiner mehr durch." (Koennen wir bestdtigen ! :-)
Irgendwann demnaechst erhielt ich einen Anruf: "Ja, wir haben Ihre Leitungen
nochmals durchgeprueft. Die sind ganz in Ordnung. Wenn Sie einen Verstaerker
geschaltet haben wollen, dann ist dies eine Zusatzleistung der P*ST und
kostet auch ein zusaetzliches Entgeld".... Auf die Frage, wie hoch das denn
sei, antwortete er: "Ich glaube, 60 DM im Monat". Als Student mit einem
Einkommen eines Firmenchefs <grinsel> war ich natuerlich sofort von dem
"geringen" Betrag begeistert :-). Nunja, als ich fragte, ob dies denn nicht
eine Benachteiligung sei, dass manche nun Datenuebertragung OHNE Verstaerker
machen koennten und andere nicht, meinte er: "Ja, es gibt noch Leute, die
haben eine viel leisere Leitung als sie, und da das Telefonnetz ja nur fuer
den Sprachgebrauch konzipiert ist, ist die Datenuebertragung nur eine nette
Begleiterscheinung, auf die jedoch kein Anspruch besteht.". Langsam wurde
ich sauer und brach das Gespraech mit einem eindringlichen und lauten
"VIELEN DANK! AUF WIEDERHOEREN!" ab.
Ich rief nun beim Fernmeldeamt an, um mich zu erkundigen, was denn eine
Datenleitung kosten solle. "Eine Datenleitung ?", sprach die "Expertin",
zu der ich innerhalb weniger Viertelstunden weitergeschaltet worden war.
"Was ist denn das ?" - "Naja, ich will ein privates MODEM betreiben !"
"Ja, dann nehmen Sie doch einfach Ihre Telefonleitung. Es kostet Sie dann
auch nicht mehr, als wenn Sie normal telefonieren wuerden." "ARGHL, aber
die normale Telefonleitung hat nicht die ausreichende Qualitaet..."
"Oh, ich glaube, da bin ich ueberfragt, ich lasse Sie nochmals von meinem
'Aufsichtsplatz' zurueckrufen".
Und siehe da, schon innerhalb von 10 Minuten konnte ich ein weiteres
Gespraech fuehren: "Was fuer eine Datenleitung denn ? Wollen Sie
einen DATEX-P Endanschluss ?", sprach die "Oberexpertin", zu der ich innerhalb
weniger Viertelstunden weitergeschaltet worden war. "Oder meinen Sie eine
Standleitung ?!". "Nein, nein! Ich meine nur eine Telefonleitung, die
die Qualitaet hat, mit welcher man Daten uebertragen kann." "Ja, dann nehmen
Sie doch Ihre normale Telefonleitung. Es entstehen Ihnen dann nur die
normalen Telefongebuehren." - ARGHL. Wer hat denn hier ueberhaupt noch einen
Durchblick ? "So, warten Sie, ich frag grad mal bei den Datenentstoerern
nach..." - "So, da bin ich wieder. Ich glaube, sie brauchen keine Daten-
leitung, denn bei Ihnen wird ein NLT-Verstaerker geschaltet, dann sind
die Probleme wohl behoben." - "Oh, das ist ja wunderbar, gerade eben habe
ich naemlich einen Anruf von der Stoerungsstelle bekommen, und die meinten,
sie wuerden KEINEN Verstaerker schalten, oder nur dann, wenn ich ihn zahlen
wuerde..." - "Moment, da frag ich noch mal nach ...... Tut mir leid, da
ist gerade besetzt. Kann ich Sie zurueckrufen ?".... Gut, und ich wartete
wieder einmal auf einen Rueckruf.
Aber um die Zwischenzeit zu nutzen, rief ich selbst bei der Datenentstoerung
an: "Sagen Sie, was kostet denn eine Datenleitung ? Bin ich mit dieser Frage
richtig bei Ihnen ?" - "Ja, aeh, fast richtig ! Wir nehmen hier aber nur
Stoerungen auf, ich gebe Ihre Anfrage dann aber weiter, und Sie erhalten
einen Rueckruf....!" - Also gab ich die entsprechenden Daten durch. Ich wolle
ein Modem mit V.32 / V.32bis an der Leitung betreiben.
Kaum hatte ich das Gespraech beendet, wurde ich von der netten Dame aus dem
Fernmeldeamt zurueckgerufen: "Tut mir leid, es wird wirklich kein Verstaerker
bei ihnen geschaltet." - "Hmm, wann kann man sich denn bei der P*ST auf
irgendeine Auskunft verlassen ? Bei mir gehen seit Tagen die Entstoerer
ein und aus, der eine sagt: 'Ein Verstaerker wird geschaltet.', der andere
meint wieder 'Die Leitung ist okay.' etc. pp. Langsam habe ich den Eindruck,
dass bei Ihnen KEINER einen Durchblick hat und auch die linke Hand nicht mehr
weiss, was die rechte tut." - "Ja, das tut mir leid, aber ICH kann Ihnen
leider auch nicht weiterhelfen." - "Gut, dankeschoen, auf Wiederhoeren."
Einen Tag spaeter bekam ich einen Anruf von der Datenentstoerungsstelle.
Dort wurde ich gefragt: "Sie wollten wissen, was eine Datenleitung kostet ?
Naja, eine Datenleitung in diesem Sinne gibt es nicht, aber uns ist Ihr
Problem bekannt. Koennten Sie es uns nochmals genau schildern ?" - Nun,
das tat ich. Ich betonte ausdruecklich, dass die Leitung zu meiner Vermitt-
lungsstelle NOCH so gut sein konnte, wenn die Leitungen zur uebergeordneten
Vermittlungsstelle schlecht wueren. Und dass ich teilweise noch nicht einmal
einen CONNECT bekdme. Und und und. Beinahe haette ich auch noch von Adam und
Eva angefangen :-) "Tja, wir werden der Sache nochmals nachgehen, auch wenn
Sie ein privates Endgeraet betreiben und die Leitungen der P*ST eigentlich
nur fuer Sprachuebertragung konzipiert sind. Sie koennen leider nicht erwarten,
da_ wir hier unbedingt eine Loesung finden. Ausserdem ist Ihre Leitung
ja normal gemessen... Aber sie hatten da noch etwas erwaehnt von einem
Modem nach V.32 / V.32 bis ?" "Jup" "Nun, die P*ST selbst bietet deswegen
ja auch hoechstens Modems mit 4800 bit/s an, da uns bekannt ist, dass es
ansonsten zu erheblichen Problemen kommen kann" "Ja, aber ich hab ja auch
schon mit 2400 Bps. Probleme, und ausserdem handelt es sich bei den V-Normen
ja um CCITT-Normen, und beim CCITT mauschelt die P*ST ja auch ganz kraeftig
mit. Und wenn nun ein Modem eine ZZF-Nummer hat, dann muesste doch wenigstens
gewaehrleistet sein, dass es ueberhaupt funktionieren KANN." "Dem ist aber nicht
so, aber da kann ich Ihnen auch nicht mehr dazu sagen. Wie gesagt, die P*ST
vermietet hoechstens Modems mit 4800 bps. Aber wenn Sie schon mit 2400 Bps.
Stoerungen haben, na, dann werden wir der Sache auf jeden Fall nochmal
nachgehen. Ich bedanke mich fuer die neuen Erkenntnisse, die das Gespraech
mit Ihnen gebracht hat." (Aha, hatten die anderen etwa NICHT zugehoert, was
ich ihnen von morgens bis abends gepredigt hatte). "Naja, was sind denn Ihre
Loesungsstrategien in diesem Fall ?" "Tut mir leid, wir haben dafuer noch
keine Loesung parat, wir muessen erst noch eine suchen."
Aha, die P*ST sucht Loesungen ! So weit, so gut. Eines wunderschoenen Abends
hatte ich nun folgenden Effekt: Ich rief zu Testzwecken mit meiner VOICE-
Nummer meine MODEM-Nummer an. Doch mein Modem kam gar nicht dazu, abzunehmen.
Es hatte naemlich schon vorher jemand abgenommen, ich hoerte aber nur ein
"Raumgeraeusch". Ein zweiter Versuch ergab dann, dass die Leitung nun BESETZT
war, obwohl mein Modem brav aufgelegt hatte. Ich klemmte mich also an die
obskure Leitung und hoerte dort wieder nur ein Hintergrundgeraeusch und ein
sehr leises Freizeichen. Waehlen ging natuerlich auch nicht.
Ich rief die Stoerungsstelle an: "Hoeren Sie mal, das ist aber nun wieder
die absolute Oberhaerte. Ich habe hier zwei Telefonleitungen, und wenn ich
von der einen Leitung die andere anrufe, dann kriege ich 'besetzt'. Hoere
ich mir an, was auf der anderen Leitung drauf ist, hoere ich ein Freizeichen
und Hintergrundgeraeusche ! Da haben Sie wohl zwei Leitungen zusammengeklemmt,
und nun kvnnen wohl auch andere Leute auf meine Kosten tele...." - "Welche
Nummern haben Sie denn ?" "91896 und 91897" "Wie bitte ?" "_NEUN_ _EINS_
_ACHT_ _NEUN_ _SECHS_ U N D _NEUN_ _EINS_ ..." "SIE BRAUCHEN MICH NICHT
SO ANZUSCHREIEN." <Klick, lautete meine erboste Antwort>. Ich rief nochmals
an und versuchte, seelenruhig zu bleiben. "Ich bin's nochmal. Koennten Sie
das bitte durchprobieren ?" - "Ja, moment. .... So, sie muessen den Hoerer
wohl nicht richtig aufgelegt haben." - "Doch, doch, der ist richtig auf-
gelegt." - "Was haengt denn fuer ein Telefon bei ihnen an der Leitung ?"
- "Das ist kein Telefon, aber das ist ja auch irrelevant ... " - "NEIN,",
wurde ich unterbrochen, "das ist NICHT irrelevant... Was ist das denn
fuer ein Geraet ?" - "Das ist ein LOGEM Modem ..." - "Was ist denn das,
ein 'LOGEM Modem' ..." - "ARGHL, das ist doch vollkommen irrelevant.
Hoeren Sie, ich hab das Geraet jetzt sogar aus der Dose herausgezogen.
Probieren Sie es doch bitte jetzt nochmal !" - "NEIN, das liegt dann an
Ihrem Geraet, fragen Sie bei der Firma nach, von der Sie das haben ..." -
"ARGHL. Es LIEGT nicht an meinem Endge..." <tja, doch viel weiter duerfte
die nette Dame das nicht verfolgt haben, denn ich hoerte ein KLICKEN in
der Leitung, und aufgelegt hatte sie.>. Ich rief also NOCHMALS an. Doch
diesmal klingelte es nur durch. Man wollte nicht mehr mit mir sprechen,
denn ich war doch eh bloss ein Depp, der sein Telefon nicht auflegen
konnte und sich dann wunderte. Nach fuenf Minuten ging dann doch wieder
jemand ran - dieselbe wie vorher. Ich liess mich mit dem Pruefplatz verbinden
- wow, das tat sie sogar noch ! - und schilderte dem Menschen die
Situation. "Ja", meinte der, "wir hatten halt gedacht, sie haetten das
Telefon einfach abgehoben, denn wir haben da im Hintergrund noch ein
Raumgeraeusch gehvrt. Aber wenn das nicht von ihnen stammt ..." "Nun,
das ist wohl auch nicht das einzige Problem. Was mache ich denn nun, wenn
die P*ST mehrere Leitungen auf meine Nummer geschaltet hat und ich dann
die Rechnung bezahlen darf ?" - "Haben Sie noch Ihre alten Telefon-
rechnungen aufgehoben, dann kann man die ja vergleichen!" - "Tut mir leid,
ich habe den Anschluss erst seit zwei Wochen." - "Ojeh, dann rufen Sie
am besten bei der Rechnungsstelle an. Wir wissen ja, was da vorgelegen
hat, und dann kann man die Rechnung ja entsprechend ...." - "Arghl. Und
was nun, wenn jemand mit seiner Tante in Amerika telefoniert hat ?"
- "Tja, warten Sie halt mal, bis die Rechnung kommt. Sie koennen ja dann
Einspruch erheben. Wir kommen gleich morgen raus und beheben das !".
Gut. Aufgelegt und etwas weiterexperimentiert. Ploetzlich meldete sich
ein Herr Schmidt in meiner Leitung, ein Haus nebendran ansaessig. Doch
dieser verschwand dann wieder. Aber das Hintergrundgeraeusch war noch
immer nicht weg. Gut. Die Stoerungsstelle angerufen, und denen mitgeteilt,
dass ein Herr Schmidt meine Leitung mitbenutzen wuerde. Mein WG-Genosse
analysierte nun das Hintergrundgeraeusch und kam zum Schluss, dass es sich
hierbei um "Tellerklappern und Gespraeche" handeln muesse, wie es charakte-
ristisch fuer eine Gaststaette sei. Ein Haus neben dem unseren steht uebrigens
ein "Pizza-Hut". Also nichts wie rueber. "Haben Sie zufaellig hier ein
Telefon, das sie nebendrangelegt haben ?" - "Aeh, ja, wieso, aeh, wieso
kommen Sie denn darauf ?". Ein klaerendes Gespraech brachte folgende
Situation zum Vorschein: Im Pizza-Hut war man genervt ueber das dauernde
Rappeln des Telefons. Ausserdem meldete sich niemand auf der Leitung (klar,
weil's ja meine Mailboxnummer ist :-) - deswegen hatte man das Telefon
nebendrangelegt. Das ganze ginge nun schon mindestens eine Woche so.
Eine Bitte unsererseits, das Telefon doch einfach wieder aufzulegen, wurde
abgelehnt, da es doch laufend klingele und die Klingel nicht leiser zu
drehen sei. Naja, auf unsere Veranlassung hin rief der Pizza-Hut dann auch
die Stoerungsstelle an, allerdings war die von Kaiserslautern schon nicht
mehr besetzt, und die Leute vom Nachtdienst in Neustadt hatten natuerlich
keinen grossen Schimmer.
Und nun bin ich hier im Jetzt angelangt. Nachdem ich mir noch zwei Lieder
aggressivste Musik in der hoechstmoeglichen Lautstaerke angetan hatte, setzte
ich mich an den Computer, um diese nette Story zu schreiben. Ob wohl die
Stoerungen bei meiner Datenuebertragung daher kamen, dass noch mindestens
zwei andere Telefone auf meiner Nummer hingen ? Und wer zahlt jetzt meine
Telefonrechnung ?
Und die Moral von der Geschicht: Dann telefoniere doch einfach nicht!
So, und nun hier nochmals mein Name: Andreas Benkel. Wer will, kann gerne
mit mir ueber dieses "Kabinettstueckchen" plaudern. Meine Voice-Leitung ist
die 0631-91896. Und wenn wir Glueck haben, koennen wir gleich noch mit meinen
Nachbarn darueber erzaehlen. Ahja. Die Frage: "Aeh...Muss ich jetzt eigentlich
die Kosten fuer eine Konferenzschaltung zahlen?" beantwortete mir ein
freundlicher P*STler mit: "Nein, da seien Sie mal ganz beruhigt, da werden
keine weiteren Kosten mehr auf Sie zurueckkommen." Naja, wenigstens etwas. :-)
So geschehen in der Zeit vom 10.10.1991 bis zum 30.10.1991.
Andreas
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NEXT PFA9
Maenner auf dem hohen Ross
Heute lesen Sie eine neue Folge des unendlichen Fortsetzungsromans
eine Frau in der vermeintlichen Maennerwelt
auf geht's
Vor einigen Tagen bat mich ein Bekannter, doch mal seinen PC an meinen
Rechner zu kabeln. Er wollte gerne mal sehen, wie das so geht.
"Kein Problem", dachte ich mir so.
Also ziehe ich los in den Laden mit der praktischen Uni-Naehe. Da stelle
ich mich vor das Regal mit den richtigen Teilen und lasse meinen Blick
schweifen. Eilfertig rannte ein Mitarbeiter der Firma auf mich zu. "Guten Tag,
junge Frau, wie kann ich Ihnen helfen?" fragte er noch ganz liebenswuerdig.
"Ich haette gerne ein Nullmodem mit zwei weiblichen Anschluessen", nehme ich
sein freundliches Angebot woertlich. Dem Verkaeufer klappte das Kinn runter,
dann kam gerade noch ein "Aeh" irgendwo her, das wars fuer's erste.
Ganz vorsichtig versuche ich es noch einmal "Ich benoetige ein Nullmodem
mit zwei Buchsen, haben Sie so etwas?" Langsam fing der eben noch so
freundliche Herr an zu wachsen. "Was wollen Sie denn _da_ mit?"
"Ich moechte gerne zwei Rechner miteinander verbinden."
"Junge Frau," fing er an zu dozieren, "dazu brauchen Sie ein Kabel."
Vor so viel Wissen musste ich natuerlich meinen Hut ziehen, und weil ich
weiss, dass Maenner sehr sensibel sind, erklaerte ich ihm so freundlich,
wie nur moeglich, dass ich bereits im Besitz eines Kabels sei. Davon liess
er sich nun gar nicht irritieren, er musste mir erst noch verklickern, dass
dafuer ein serielles Kabel benoetigt wird, dass dafuer aber erst einmal
festgestellt werden muss, um welche Art Schnittstelle es sich bei den
beiden Rechnern handelt und dass ausserdem noch ein Nullmodem von Noeten
sein.
In der Zwischenzeit hatte ich festgestellt, dass das Teil nicht im Regal
lag. Also frage ich noch ein weiteres Mal nach dem Nullmodem. Nicht, dass
der nicht mehr so nette Herr das nun begriffen haette, nein, weit gefehlt.
Er musste wieder von seinem Kabel erzaehlen. Ich unterbrach seine Aus-
fuehrungen schon etwas heftig, hielt ihm ein anderes Modem unter die Nase und
wiederholte meine Frage.
Ein toller Effekt trat ein: er hielt in seiner Rede inne, das Kinn klappte
wieder runter, der Kopf drehte sich langsam zum Regal, langsam bewegte
sich das Kinn wieder zurueck und es erklang das schoene Wort "Aeh".
Nach einer kurzen Weile stellte der Herr fest, dass sich kein Nullmodem
mit zwei Buchsen in seinem Regal befand. Er wolle mir gerne eines bestellen,
bemuehte er sich eilfertig zu sagen. Er schien wie ausgewechselt zu sein.
Sogleich erklaerte er mir noch, dass ich unbedingt einen surch-protector
braeuchte, den haette er naemlich zufaellig gerade da und er sei auch mit
einem Preis von 21 Mark sehr billig. Irgendwie hatte mich der Schalk gepackt,
ich fragte einfach mal, wofuer denn sowas gut sei. Tja, und schon war der
gute Mann ganz in seinem Element und erzaehlte von der Erfindung des Stroms
und dass es auch im selben Haus unterschiedliche Stromkreise gaebe und das
sei eben schlecht fuer Computer und das wuerde er mir nun freundlicherweise
erklaeren und ob ich denn wuesste, dass Strom auch was mit Spannung zu tun
haette und dass es Spannungsspitzen geben koennte, zum Beispiel bei Gewitter
und der surch-protector wuerde mich schon beschuetzen (ja, alles in einem
Atemzug). Ich konnte es nicht lassen, ich waere ganz bestimmt erstickt, wenn
ich nicht "was, diese paar Kondensatoren und denn fuer 21 Mark?" gesagt
haette.
Wieder erklang das von mir so geliebte "aeh", kurz danach ging die Tuer auf
und ich war gegangen.
Das macht ja alles nichts, Oldenburg hat ja noch mehr zu bieten. Ich machte
mich also auf zu einem namhaften Elektronik-Laden. Auf dem Weg dahin fiel
mir eine Computer-Firma auf, bei der ich noch nie war. Da ich Zeit hatte,
bin ich rein in den Laden. Eine nette junge Frau kam mir laechelnd entgegen
und fragt nach meinem Begehr. Ich wollte gerne Infos ueber einen bestimmten
Ganzseiten-Monitor und ausserdem ein Nullmodem. Die nette Dame manoevrierte
mich zu "unserem Herrn Sowieso", der mir auch ganz jovial helfen wollte.
Ein Angebot wuerde er mir gerne erstellen, ja, das wuerde er sogar sehr
gerne machen. "Das Nullmodem? Also, ich weiss gar nicht, ob wir so etwas
haben, bitte gehen Sie doch zum technischen Service." Gut, ich gehe um
das Gebaeude herum zum technischen Service. Der erste Mensch, der mir ueber
den Weg lief, meinte, er sei neu, der zweite fing an mit dem wohlbekannten
Woertchen "Aeh". Dann erzaehlte er mir, dass es Nullmodems alleine gar nicht
gaebe, sondern dass es sich um ein Kabel mit gekreuzten Leitungen handle.
Da waere ich wohl falsch informiert. Er war aber wirklich sehr hilfsbereit
und wollte mir gerne so ein Kabel anfertigen, gleich waere ja Mittagspause
und man koennte ja irgendwo Essen gehen und dann haette er wohl etwas Zeit
zum Loeten.
Hmmm ... also vielleicht doch lieber das bekannte Elektronik-Geschaeft.
Schon weniger schwungvoll bin ich rein in den Laden. Ich stellte mich
an den Tresen und trug mein Begehr vor. Der Verkaeufer ging und kam kurz
darauf mit dem gewuenschten Teil wieder. Ich bezahlte 9 Maerker und mein
Glaube an ein vernuenftiges Miteinander der Geschlechter war wieder her-
gestellt.
Uta
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NEXT PMKA
Gute Zusammenarbeit zwischen Technikern und Publizisten
Hamburg (mik) - Zwei Stunden nach dem Putsch in der Sowjetunion liefen
die ersten Meldungen ueber das Computernetz der Associated for
Progessive Communications (APC). APC ist ein Nachrichtennetz der
internationalen Buergerrechtsbewegungen. Informationsbueros in Lettland,
Litauen und Estland sendeten Vorort-Berichte, Dokumente und Analysen
der Situation. GlasNet, ein russisches Buergernetz in Moskau, ist unter
anderem ueber einen Knotenrechner in San Francisco mit APC verbunden.
Ueber verschiedene Wege gelangten die Nachrichten auch ins ComLink, das
Netz der deutschsprachigen Buergerrechtsbewegungen. Die Nachrichten-
Uebertragung zwischen den Systeme an verschiedenen Plaetzen der Welt
geschah im Zweistunden-Takt. Das hat sich fuer ein nicht kommerzielles
Netz als guter Kompromiss zwischen Telefonkosten und schneller
Nachrichtenverbreitung erwiesen. Bei ComLink erfolgt, wegen hoher
Telefonkosten der Post, normalerweise ein taeglicher
Nachrichtenabgleich in der Nacht, weil fuer Buergernetze die
Sondertarife fuer Presseagenturen nicht gelten.
Schon waehrend des Golfkrieges zeigte sich, wie wichtig ein auch
publizistisch unabhaengiges Nachrichtennetz ist. Kommentare, Analysen
und Fakten, die nicht in die Linie der bundesdeutschen Politik passten,
konnten im Netz frei verbreitet und diskutiert werden. Zum Beispiel
Hintergrundinformation von islamischen Studenten oder Berichte ueber
desertierende US-Soldaten. APC, als Zusammenschluss mehrerer
Buergerrechtsnetze in Kanada, der UdSSR, Grossbritannien, den USA,
Schweden, Lateinamerika, Australien, Afrika, Japan und der
Bundesrepublik, laesst sich schon heute als eine internationale
Nachrichtenagentur besonderer Art bezeichnen. Es bleibt eine Frage der
Zeit, bis auch die deutschen Journalisten begreifen, dass es neben den
bekannten Nachrichtenagenturen ein modernes Nachrichtennnetz gibt, das
wirkliches Rohmaterial liefert - internationale Informationen aus
erster Hand.
Von besonderer Art ist auch die Copyright-Situation in einem Netz, wo
eigentlich alles einfach weiterkopiert werden kann. Zum einen fanden
sich offen zugaenglich "freie" Informationen wie Erklaerungen von
Buergerrechtsbewegungen und Verfuegungen der russischen Regierung zum
zivilen Ungehorsam. Ebenfalls frei zugaenglich waren Kurzfassungen mit
Anregungen und Handlungsvorschlaegen aus "Handbuechern zum gewaltfreien
Widerstand". Berichte aus Moskau belegten, dass diese ins russische
uebersetzt wurden und Laserdrucker zur Flugblattherstellung dienten,
bis der Toner alle war. Aus Copyrightgruenden wurde die "Erklaerung"
der Putschisten zunaechst nur unter Freunden verschickt, da an diesem
Dokument der staatliche Gesinnungs-Service TASS sein Eigentum
behauptete. Ueber eine kostenlose Weitergabe der TASS-Nachrichten mit
24 Stunden Verzoegerung war die Agentur nicht gewillt zu verhandeln.
Auch die mehr als dreissig in Deutschland ueber Funk mit Computer
empfangbaren Presseagenturen wurden nicht ins Netz eingespielt (ask
your local radioamateur).
Techniker und Journalisten der koopulierenden Buergernetze zeigten, dass
Professionalitaet und ein alternatives Nachrichtennetz kein Widerspruch
sind. In kurzer Zeit war APC auf die Situation eingestellt. Schneller
und kooperativer Nachrichtenaustausch zwischen den verschiedenen
Netzwerkbetreibern sorgte fuer eine effektive Nachrichtenweiterleitung
und notwendige Umschaltungen in den Netzen. Das funktionierte dank
ComLink jetzt auch in Deutschland. Netzwerker haben einiges gelernt,
auch wenn Computernetze hierzulande noch zu oft als Spielzeug fuer
begeisterte Computerfreaks gelten. Selbst wenn es um Aktualitaet und
Schnelligkeit geht, koennen diese Netze mit den bekannten
Nachrichtenagenturen konkurrieren. Sogar dem aktuellen
Nachrichtensender CNN war diese neue Form eines direkten Daten-Drahts
nach Moskau ein Beitrag wert.
Die Staerke der Netze liegt jedoch nicht so sehr in der Geschwindigkeit
des Austausches, sondern bei der Hintergrund-Berichterstattung. Wenn
die Massenmedien ihre Sensationen "abgefeiert" haben, dann erst
beginnt bei den Buergernetzen die eigentliche Arbeit. Was Regierungen
miteinander vereinbaren, ist eine Sache. Entscheidend ist die
Buergerdiplomatie, der Informations- und Wissensaustausch zwischen den
Menschen vor Ort - ueber Kontinente und Staatgrenzen hinweg. GlasNet,
mit Datenknoten in Tallin (Estland), Leningrad, Kamtschatka,
Dnjepropetrowsk und Kiew, wird deshalb an Bedeutung gewinnen.
Realitaetsfern wirken da manche deutsche Diskussionen, die in den
letzten Monaten ueber die Finanzierung eines Buergernetzes gefuehrt
wurden. Nicht nur bei GlasNet arbeiten derzeit vier hauptamtliche
Mitarbeiter, die von zwei Teilzeitkraeften unterstuetzt werden. Eine
aehnliche Struktur ist auch beim deutschen ComLink erforderlich, um
stabilen Netzbetrieb zu gewaehrleisten. Zur Finanzierung sollten aber
nicht nur die Medien, die Netzneuigkeiten einer breiteren
Oeffentlichkeit weiterverkaufen, beitragen. Neben den einfachen "Usern"
haben auch die Organisationen, die mit dem Werkzeug Computernetz
international arbeiten koennen, ihren Beitrag zu leisten, damit auch
kuenftig ein internationales Buergernetz stabil funktionieren kann. Ein
sowjetischer Teilnehmer des Telekommunikations-Workshops waehrend der
END-Convention fasste die Perspektiven dieses neuen Mediums wie folgt
zusammen: "Im Krisenfall wie in Diktaturen wird Information zensiert,
um die Bevoelkerung zu beschwichtigen. Mit den Datennetzen ist es nicht
mehr moeglich, Informationen zu unterdruecken".
Quelle: MIK-Magazin Nr. 35, Juergen Wieckmann
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NEXT PMKB
Telefonisches Abgrasen: Wenn der Posthorn-Ochse zweimal piept
9. September. 91, Hamburg (mik) - Umsonst zu telefonieren war noch nie
so einfach wie heute. Vor allem AMIGA-Besitzer tun es und wissen nicht
einmal, was sie tun. Wie Einstein 1930 zur Eroeffnung der
Funkausstellung formulierte, sollen sich alle schaemen, die sich
gedankenlos der Wunder der Technik bedienen und nicht mehr davon
geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie
mit Wohlbehagen frisst.
Im Fruehjahr 1991 tauchten Programme auf, die mit dem Amiga
postkompatible Pieptoene fuer den internationalen Telefonverkehr
erzeugten. Die Tonhoehe, die Laenge der Toene, die Pausen zwischendurch
und die Tonfolgen lassen sich durch technisches Studium ermitteln.
Aehnlich wie bei den Mehrfrequenztoenen fuer Fernabfrage von
Anrufbeantwortern genuegt den Computer-Hobbyisten schon der Sound-Chip
im Commodore 64; der gleiche ist im Atari ST. Fuer modernere Computer -
abgesehen von IBM-kompatiblen - ist das noch einfacher.
Moderne Benutzungsoberflaechen am Bildschirm ermoeglichen es fast jedem,
irgendein Programm zu starten und irgendwas zu machen. Fuer viele ist
es einfach nur praktisch, den Hoerer abzuheben, gebuehrenfrei irgendeine
130er Rufnummer zu waehlen, den Telefonhoerer vor den Lautsprecher des
Computers zu halten, eine Funktionstaste aus seinem Telefonmenu zu
druecken und dann gratis mit seiner Oma zu telefonieren. Warum das
nichts kostet, interessiert kaum jemanden; man fragt hoechstens rum,
wenn es ploetzlich nicht mehr geht. Vorsichtigere Menschen haben die
fuer sie interessanten Rufnummern als Tonfolgen auf Kassettenrekorder
aufgezeichnet und nutzen Telefonzellen. Denn die Zentralisierung des
internationalen 130er Dienstes in Frankfurt macht die Rueckverfolgung
zum Anrufer relativ leicht.
Der technische Ablauf ist nicht sehr kompliziert. Zum Gratis-
Telefonieren wird eine internationale und kostenlose Verbindung
benoetigt. Das geht zum Beispiel mit 130-er Nummern, die auch von
grossen Konzernen angeboten werden. Bei internationalen Verbindungen
verstaendigen sich die automatischen Telefonvermittlungen der
verschiedenen Postverwaltungen ueber den Gespraechszustand mit
sogenannten Signalisierungssystemen. Derzeit sind noch oft Systeme im
Einsatz, die die Dienstsignale durch Pieptoene uebermitteln. Diese
liegen im Sprachbereich zwischen 300 und 3400 Schwingungen pro
Sekunde, Hertz genannt. So ist ein bestimmter Ton als Kennung fuer
"Gespraech-Ende" vereinbart und wird vom Telefonsystem dem Angerufenen
uebermittelt. Wenn jetzt der Anrufer selbst - anstelle des
Telefonsystems - diesen Ton ueber die Leitung schickt, erkennt nur die
Vermittlungsstelle des Angerufenen den Scheinzustand "Es wurde
aufgelegt". Die internationale Leitung bleibt jedoch weiter bestehen.
Aehnlich dem Tonwahlverfahren, das bei den neuen digitalen
Vermittlungstellen oder einigen Anrufbeantworter eingesetzt wird, sind
auch post"intern"ational Tonkombinationen fuer die Wahl auf
internationalen Leitungen vereinbart. Sie benutzen jedoch andere
Frequenz-Kombinationen. Diese sind dem interessierten Fachpublikum
bekannt. Amerikanische Hacker berichteten bereits Anfang der 70er
Jahre in ihren Zeitschriften darueber. Zu den ersten Veroeffentlichungen
in Deutschland gehoerten die Nachdrucke der Zeitschrift TAP in
HACKERBIBEL 1. Hintergrund-Wissen zu diesem Thema war bereits vor
sieben Jahren allgemein bekannt. Die Umstellung auf ein neues
Signalisierungssystem Nr. 7 haben die Postverwaltungen nur in Ansaetzen
geschafft. Man behilft sich gegebenenfalls mit gewissen Veraenderungen
am bestehenden System, wenn atypisches Nutzerverhalten ueberhand nimmt.
Mit Aerger und Strafverfolgung ist jedoch dann zu rechnen, wenn aus
einem vergleichsweise harmlosen Spass geschaeftliche oder sogar
kriminelle Interessen folgen. So geschehen in den 70er Jahren in den
USA, als sich Telefonverkaeufer Geraete zum Gratis-Telefonieren (Blue
Boxes) verschafften, um einen Konkurrenzvorteil zu haben. Das ist
etwas anderes, als die kreative Forschung eines Hackers, der sich an
ein Klavier setzt und auch mit diesem Instrument die Posttoene erzeugt,
um mal umsonst zu telefonieren.
Durch die Verfuegbarkeit von elektronischem Musikgeraet und Computern
ist tendenziell das Gratistelefonieren heute so guenstig wie in den
sechziger Jahren in der BRD. Denn bevor die Vorwahlen fuer
Ferngespraeche eingefuehrt wurden, gab damals es die postinterne
Moeglichkeit, durch elfmaliges Auf-die-Gabel-hauen Fernverbindungen zu
Ortsnetzen selber herzustellen, die eigentlich noch nicht erreichbar
waren. Die Dienstapparate der Post hatten dafuer auf der Waehlscheibe
hinter der Null noch ein Loch.
Wau Holland , MIK Nr. 37, HH 1991
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NEXT PWJD
EDUCOM '91 - EIN TAGUNGSBERICHT
Die Educom '91 - Konferenz und Ausstellung fand vom 16. - 19. 10.
1991 in San Diego, Kalifornien statt. Educom ist eine jaehrlich in
den USA stattfindende Veranstaltung zur Ausbildung im Bereich der
Informationstechnologie und stand dieses Jahr unter dem Thema
"Curricula, Computing and Culture".
Die Teilnehmerzahl war immens, ebenso die Anzahl der Vortraege,
Workshops, Seminare, etc. Prof. Leon Lederman, Nobelpreistraeger in
Physik und Professor an der University of Chicago, eroeffnete die
Veranstaltung mit einem Vortrag "Number one by the year 2000?"
Lederman, bekannt fuer seine Bemuehungen um bessere Ausbildung
und durch den Bericht "Nation at Risk" sieht besondere Gefahr in der
mathematischen und naturwissenschaftlichen Ausbildung. Das
amerikanische Schulsystem sei so buerokratisch geworden, dass es
sehr lange dauern wuerde, etwas zu aendern, falls dies ueberhaupt
gelaenge. Es sei keine Forschung ueber Curricula oder den Einsatz von
Computern notwendig; in diesen Bereichen wisse man genug. Was
falsch waere sei die amerikanische Kultur. Es sei kein Vertrauen in
das eigene Schulsystem mehr vorhanden und die Ueberzeugung, dass
die Naturwissenschaften zu schwierig sind, wuerde immer groesser.
Man muesse daher versuchen, diese kulturelle Einstellung zu aendern,
das Interesse zu vergroessern. Dies sei beispielsweise gelungen nach
dem zweiten Weltkrieg, 1957 mit Sputnik und 1983 mit einem
Bericht ueber die Ausbildungskrise, jedoch leider nur jeweils fuer
kurze Zeit.
Den zweiten eingeladenen Vortrag hielt Bill Joy, Mitbegruender von
SUN ueber das Thema "How Shall We Compute in the Last Decade?".
Joy, "Vice President for Research & Development" bei SUN, gab
insbesondere seine Meinung ueber Maerkte und Computer in den 90ern
wider. Er sieht insbesondere drei Maerkte:
1) Nomadische Systeme, d.h. tragbare Systeme basierend auf Pen-
und Stimmeingabe (und nicht Tastatur und Maus), sowie drahtloser
Kommunikation. Bei ca. 250 Millionen moeglicher Anwender in USA,
Europa und Asien sieht er hier ein Marktvolumen von ca. $ 100
Milliarden/Jahr.
2) "Vehicle Systems", d.h. Systeme, die z.B. in Fahrzeugen eingebaut
sind. Bei 50 Millionen Fahrzeugen/Jahr sieht er Volumen von $75
Milliarden/Jahr. Seiner Meinung nach wird diese Technologie
zukuenftig ueber Gewinner und Verlierer in der Fahrzeugindustrie
entscheiden.
3) "Designed Systems / Spaces", d.h. nicht mobile, in Raeumen oder
Gebaeuden fest installierte Systeme mit einem Volumen von ca. $ 40
Milliarden/Jahr. Hier werde es um geeignete Schnittstellen zwischen
Menschen, Computern, Papier, Raeumen, Geraeten, etc. gehen, d.h. das
Integrationsproblem werde eine grosse Rolle spielen.
Es werde in den 90ern - im Gegensatz zu den 80ern - nicht mehr um
quantitative Bemuehungen gehen. Letztere seien aber haeufig
subjektiv und nicht so gut messbar.
Als gemeinsame Technologiebasen fuer die 90er sieht er C++,
Objekte, Software fuer Stimmeingabe und Handschrifterkennung, etc.
Eine wichtige Rolle bei der diesjaehrigen Educom spielten
Netzwerke allgemein und speziell das NREN, das National Research
and Education Network (Teil der "High Performance Computing and
Communication Initiative").
So berichteten u.a. Stephen Wolff von der National Science
Foundation ueber "From NSFNET to the NREN Computer Networking
Today and Tomorrow" und Sid Karin, Leiter des San Diego
Supercomputer-Zentrums ueber "Trends and Issues in High-
Performance Computing".
Weitere interessante Themen waren "Enhancing Education with
NSFNET", "Using Supercomputing to Enhance Undergraduate
Education", "Impact of Telecommunications on Education",
"Supercomputer Education: Look what's happening in Highschools",
"What the World will be like when Supercomputing is unbridled".
Die parallele Ausstellung, auf der alle namhaften amerikanischen
Hardware-und Softwarehersteller praesent waren, rundete die
gelungene Veranstaltung ab.
EDUCOM '91 wurde mit grossem Aufwand insbesondere von Apple und
IBM gesponsored. So waren z.B. Hunderte von Macintosh ueber die
riesige Ausstellungsflaeche verteilt. Diese konnten genutzt werden,
um Informationen ueber Konferenzteilnehmer (einschliesslich
Photos) abzurufen oder um E-mail auszutauschen. bzw. sogar direkt
auf das Internet zuzugreifen.
Es scheint nicht geplant zu sein, Proceedings der Veranstaltung zu
veroeffentlichen. Man kann allerdings Tonbandkassetten der
jeweiligen Vortraege und Workshops erwerben ($ 389 fuer den
gesamten Satz). Auf Wunsch ist die GMD-Aussenstelle Washington,
D.C. bei der Beschaffung behilflich.
Aus: FITNUS 43-1
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NEXT PWJC
Durchbruch im Verstaendnis der Hochtemperatur-Supraleitung
Am Hoechstleistungsrechenzentrum (HLRZ) Juelich ist ein bedeutender
Schritt in Hinblick auf das theoretische Verstaendnis der
Hochtemperatur-Supraleitung gelungen. Mit Hilfe eines Supercomputers
vom Typ CRAY Y-MP 832 ist es Ingo Morgenstern (Regensburg), Martin
Frick (Groningen) und Wolfgang von der Linden (Muenchen) gelungen,
Hochtemperatur-Supraleitung zum ersten Mal numerisch in einem
speziellen Elektron-Phonon-Modell nachzuweisen. Dies ist das Ergebnis
einer jahrelangen Forschungstaetigkeit, die am IBM-Forschungslabor
Rueschlikon in Zusammenarbeit mit den Entdeckern der Substanzen, den
Nobelpreistraegern K. A. Mueller und J. G. Bednorz, begonnen hatte.
Das HLRZ ist eine gemeinsame Einrichtung des Forschungszentrums
Juelich, der Gesellschaft fuer Mathematik und Datenverarbeitung
(GMD) Birlinghoven und der Stiftung Deutsches Elektronen-Synchrotron
(DESY) Hamburg. Das Forschungszentrum Juelich betreibt fuer das
HLRZ einen Rechner vom Typ CRAY Y-MP mit acht Prozessoren, die bei
guter Programmierung jeweils eine Rechenleistung von 250 Millionen
Multiplikationen oder Additionen pro Sekunde erreichen. Der Rechner
wird fuer wissenschaftliche Projekte von Hochschulen und
Forschungseinrichtungen genutzt. Das HLRZ stellt fuer
wissenschaftlich bedeutende Projekte Rechenzeit kostenlos zur
Verfuegung. Ein besonders grosses Projekt mit einem Umfang von
mehreren tausend Stunden Rechenzeit gilt der Hochtemperatur-
Supraleitung in einer Zusammenarbeit zwischen W. Hanke, I.
Morgenstern, W. von der Linden, A. Muramatsu, M. Frick und G. Dopf.
Alle Stoffe setzen dem elektrischen Strom einen bestimmten Widerstand
entgegen. Kuehlt man bestimmte Stoffe auf sehr tiefe Temperaturen -
die sogenannte Sprungtemperatur -, verschwindet dieser Widerstand
schlagartig, und der elektrische Strom wird verlustfrei
transportiert. Dieser Effekt wird Supraleitung genannt. Bis vor
wenigen Jahren war jedoch die Kuehlung mit fluessigem Helium auf
etwa -250 Grad Celsius erforderlich. Nach der Entdeckung der
oxidischen Hochtemperatur-Supraleiter genuegten Temperaturen um -150
Grad. Dies laesst sich schon mit dem viel billigeren fluessigen
Stickstoff erreichen. Anwendungen fuer die Hochtemperatur-
Supraleitung zeichnen sich unter anderem in der Mikroelektronik ab.
Obwohl Hochtemperatur-Supraleiter aus bestimmten oxidischen
Materialien heute schon routinemaessig hergestellt werden koennen,
ist die Frage, warum sie supraleitend werden, noch ungeklaert. Der
Beantwortung dieser Frage dient das Grossprojekt "Hochtemperatur-
Supraleitung" beim Juelicher Hoechstleistungsrechenzentrum. Das
Werkzeug hierfuer sind Computersimulationen anhand von theoretischen
Modellen.
Eines der weltweit verwendeten Modelle ist das Hubbard-Modell. Dieses
Modell beschreibt ausschliesslich die in allen Hochtemperatur-
Supraleitern vorhandenen Kupferoxid-Ebenen. Die Arbeitsgruppe in
Wuerzburg (W. Hanke, A. Muramatsu und G. Dopf) konnten durch
massiven Grossrechnereinsatz nachweisen, dass dieses Modell viele
der einmaligen elektronischen sowie magnetischen Eigenschaften der
neuen Materialien im normal-leitenden Zustand erklaeren kann. Ob das
Hubbard-Modell allerdings auch die Supraleitung erklaeren kann, ist
trotz sorgfaeltiger numerischer Studien der Wuerzburger Gruppe noch
unklar.
Eine Erweiterung dieses Modells wurde von I. Morgenstern, M. Frick
und W. von der Linden untersucht. Hierbei wird die Bewegung der
Ladungstraeger zusaetzlich an die lokalen Schwingungen der
sogenannten "Apex-Sauerstoffe" angekoppelt (Die Apex-Sauerstoffe
befinden sich an der Spitze einer Sauerstoffpyramide ueber den
Ebenen). Diese Ankopplung stellt den entscheidenden Schritt in
Richtung Hochtemperatur-Supraleitung dar. Die bedeutende Rolle des
Apex-Sauerstoffs wurde von Nobelpreistraeger K.A. Mueller schon
sehr frueh erkannt; entsprechende Elektron-Phonon-Modelle wurden
bereits in Rueschlikon aufgestellt. Aber alle Versuche,
Hochtemperatur-Supraleitung numerisch nachzuweisen, konnten bisher
nicht eindeutig interpretiert werden. Erst als das
Hoechstleistungsrechenzentrum Juelich Rechenzeit zur Verfuegung
stellte, die alle anderen Anstrengungen auf der Welt weit uebertraf,
gelang der entscheidende Schritt.
Nach diesem Erfolg wird es in der naechsten Zukunft darum gehen, die
Bedeutung des vorgeschlagenen Modells experimentell zu untermauern
und darueber hinaus fuer den Anwendungsbereich interessante
Simulationen durchzufuehren. Dazu sind weltweite Anstrengungen
bereits angelaufen. Ziel ist es, Supraleiter herzustellen, die eine
fuer technische Anwendungen ausreichend hohe Stromdichte tragen
koennen. Bisher ist es insbesondere nicht gelungen, Keramiken von
einer Qualitaet herzustellen, die die Fabrikation von Draehten
fuer die Starkstromtechnik erlauben wuerden. In bereits
angelaufenen Simulationen wird man in Juelich versuchen, diesem
Problem auf die Spur zu kommen. Eine Zusammenarbeit besteht bereits
mit einem Hersteller von Keramik. Dennoch wird die erste Anwendung
von Hochtemperatur-Supraleitern im Bereich der Elektronik erwartet,
etwa beim Bau neuer supraleitender Supercomputer. Numerische
Simulationen, basierend auf dem Juelicher Resultat, werden hierbei
eine bedeutende Rolle spielen.
Weitere Informationen:
Forschungszentrum Juelich
Oeffentlichkeitsarbeit
Postfach
5170 Juelich
Telefon (02461) 61-4661
Telefax (02461) 61-4666
E-Mail WTA100@DJUKFA11.BITNET.DBP.DE
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MITI will Copyrightschutz fuer Computerprogramme untersuchen.
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MITI will review computer program copyright protection. The move is
in response to a growing number of cases in which the protection of
ideas is more important than expressions, and unclear protection
standards for new types of software created using AI technology. In
cooperation with the Patent Bureau and the Agency for Cultural
Affairs, MITI will set up this fall a review committee at the Software
Information Center, which was jointly established by |